
hatte noch keinerlei Rollenspielerfahrung, als sie vor drei Jahren in unserer Mittwochsgruppe anfing. Schon bald hatte sie ihren ganz eigenen und sehr kommunikativen Stil entwickelt. Monster und Untote findet sie zum Töten viel zu interessant und hält lieber einen Schwatz mit ihnen. Mittlerweile spielt sie in beiden Gruppen mit.
Charaktere:
Naima,
Fianna,
Lif
und
Sorcha.
Zur Zeit studiert sie Publizistik und Skandinavistik. Dabei kennt sich mit nordischen Runen, Sagen und Bräuchen bestens aus. Darum feiert sie zum Jahresende auch die Wintersonnenwende.
Abgesehen davon scheint sie sich ständig in einem Konflikt zwischen Fernweh und leerem Portemonnaie zu befinden. Einen Traum hat sie sich mittlerweile erfüllt: Ein Jahr in Australien. Dabei wünschen wir ihr natürlich viel Glück, auch wenn das wohl ein Abschied für immer aus unserer Runde bedeutet.
Natürlich erlebt sie auch als Bochumer Studentin allerlei aufregende Sachen. So zum neulich in der U-Bahn. Eigentlich war es ein ganz normaler Tag. Steffi war auf dem Rückweg von der Uni, hatte sich in der Bahn einen Fensterplatz ausgesucht und las nun friedlich ihren Roman. Auch der Mann, der sich dann neben sie setzte, wirkte zunächst ganz normal: So um die vierzig, blonde Haare, groß und schlank. Ach ja, einen Stockschirm hatte er auch noch, aber auch das war alles noch ganz normal. Als die Bahn im Bochumer Bahnhof hielt, herrschte natürlich das übliche Gedränge zwischen Ein- und Aussteigern. Unter anderem kam eine Gruppe von vier oder fünf Jugendlichen herein und kamen dann auch an Steffis Platz vorbei. Das heißt eigentlich natürlich nicht an ihrem, denn sie saß ja am Fenster und war vor irgendwelchen "Berührungen" geschützt. Aber nicht der Mann neben ihr. Der sprang plötzlich auf, zog seinen Stockschirm, zeigte damit auf einen der Jugendlichen und sprach: "Du hast dich zu unterwerfen." Der so angesprochene Jugendliche hatte gerade keinen eigenen Stockschirm dabei und so wurde nichts aus einem Duell. Statt dessen brachte er sich ein paar Schritte in Sicherheit und sprach nun seinerseits: "Ey, Alter. Was willste von mir?" Daraufhin erklärte er Stockschirmschwinger: "Du hast mich in meinem Gesicht berührt mit deinem ekelhaften Fleische." Wenn man auffallen will, ist das übrigens genau die richtige Methode. Inzwischen waren die anderen U-Bahn-Gäste mucksmäuschenstill und starrten zu dem Stockschirmschwinger hinüber. Und zu Steffi. Hätte ja sein können, dass sie dazu gehörte. Die fand das alles ein klein wenig peinlich und starrte angestrengt in ihr Buch. Aber nicht nur sie, der mit dem Stockschirm nämlich auch. Dummerweise las Steffi gerade von einer pikanten Liebesszene. Völlig panisch klappte Steffi ihr Buch zu. Wer weiß, was der Mann getan hätte, hätte er erkannt, welch verwerfliche Schriften sie da las... Doch dann kam auch schon die nächste Haltestelle und der Mann verließ samt Schirm die Bahn. Steffi blieb sitzen und demonstrierte damit eindringlich, dass sie weder mit dem Mann noch mit seinem Stockschirm etwas zu tun hatte. Sobald die Türen hinter dem Stockschirmmann geschlossen waren, war es vorbei mit der Ruhe und die anderen U-Bahn-Gäste brachen in eine befreiendes, kollektives Gelächter aus. Übrigens ist Steffi sich sehr sicher, dass das eine reale Situation war und sie nicht etwa in eine Gruppe von abgedrehten Live-Rollenspielern hineingeraten ist.
Warum ich das alles erzähle? Weil Steffi mich drum gebeten hat. Sie hat das natürlich allen Freunden und Bekannten erzählt, die sie danach getroffen hat. Was sagte daraufhin ihr bester Freund: "Tja, Steffi. Seltsame Leute treffen auf seltsame Leute." - Ich finde das gemein. Steffi ist nicht seltsam. Eher einzigartig.