Heldentagebuch: Die Bettler von Grangor

Kapitel 1: Der Auftrag

Das Abenteuerbeginn ist einfach und bewährt: Jemand kommt und bittet die Helden um Hilfe. Das schmeichelt ihnen immer. Und das ist doch schon mal eine sehr gute Voraussetzung. Es würde doch sehr wundern, wenn unsere Helden da widerstehen könnten.

32. Rierge 225

Einladung

Am Nachmittag kam Hythorus sehr aufgeregt zu Laris und Naimas in ihre Pension. Er berichtete, die hohe Gildenmagierin Gilowen Hortemann nach mutigen und vertrauenswürdigen Leuten suche. Ein Verwandter von ihr habe sie um Hilfe gebeten. Hythorus habe ihr daher von Naima und Lari und den bisher durchgestandenen Abenteuern erzählt. Gilowen sei recht angetan gewesen von seinem Bericht. Daher lade sie Naima und Lari für den nächsten Morgen in ihr Büro in der Gilde ein, um sich ein Bild von den beiden zu machen. Naima und Lari fühlten sich sehr geschmeichelt und sagten zu.

Doch offenbar war Hythorus’ Meinung seinen beiden Kolleginnen gegenüber doch nicht so hoch, denn anschließend gab er ihnen genaue Anweisungen, wie sie sich einer so wichtigen Magierin zu benehmen hätten. Er betonte, dass die Einladung eine ganz besondere Ehre für sie sei. Und sie sich Gilowen Hortemann gegenüber besonders respektvoll und höflich benehmen müsste. Lari sah ihn genervt an. Was dachte er eigentlich von ihr? Sie war schon so manch Fürsten, Hohespriester und wichtigem Magier begegnet und wusste durchaus sich zu benehmen.

1. Versoll 225

Besuch bei der Weiblichen Gilde

Naima und Lari wurden von Gilowen sehr freundlich empfangen. Sie erzählte ihnen von einem Brief, den sie von einem Cousin aus Grangor, einer Lagunenstadt südlich von Luinmeach, erhalten habe. Er sei besorgt, weil dort mehrere wichtige Persönlichkeiten zu Tode gekommen seien. Man fand sie ertrunken in einer der Lagunen, konnte aber keine äußeren Gewalteinwirkungen feststellen. Da er einer der wichtigsten Händlerfamilien vorstand, sorge er sich nun um sein eigenes Leben. Ihr Cousin habe Gilowen gebeten, nach Leuten zu suchen, die sein Leben beschützen und das Rätsel um die getöteten Grangorianer klären könnten. Wie Gilowen von Hythorus gehört habe, sei Naima eine sehr erfahrene Waldläuferin. Lari sei zwar keine Magierin, aber doch bestimmt auch sehr gut für diesen Auftrag geeignet. Dabei sah sie Lari auf eine etwas ironische Art an. Lari warf daraufhin Hythorus einen bösen Blick zu. >>Sie nahm an, dass er erzählt hatte, dass Lari eine Hexe sei. Konnte er denn nie den Mund halten?<<

Doch Gilowen fuhr fort: „Selbstverständlich könnt Ihr für die Zeit eures Aufenthaltes in Grangor einen Teil Eurer Ausrüstung hier in der Gilde unterbringen. In Grangor sind Waffen generell verboten und es würde einen schlechten Eindruck machen, wenn Ihr sie dorthin mitnähmt.“ Naima war entsetzt: „Gar keine Waffen? Aber wie sollen wir denn dann Euren Cousin beschützen?“ „Ich bin sicher, dass Ihr das ohne Waffen schafft. Hythorus hat mir erzählt, dass Ihr Eure Abenteuer bisher immer mit einem minimalen Aufwand an Gewalt gemeistert habt.“ Hythorus beeilte sich damit, dass zu bestätigen: „Ganz recht. Wir haben nie Gewalt benutzt, es sei denn, wir wurden angegriffen.“ Lari und Naima warfen Hythorus einen etwas ungläubigen Blick zu. Doch davon schien Gilowen nichts zu bemerken und wandte sich stattdessen an Naima: „Zum Zeichen Eurer Klasse könnt ihr einen Dolch mit nach Grangor nehmen und dort offen tragen. Wenn Ihr die Waffen nicht hier lasst, müsstet Ihr diese in Grangor bei der Stadtwache abgeben. Das würde aber einen eher schlechten Eindruck machen.“

Naima war besorgt: Als Waldläuferin hatte sie in einer Stadt ohnehin Nachteile. Und dann auch noch ohne die Waffen auskommen müssen... Also fremder Boden, ungewohntes Terrain und keine Verteidigungsmöglichkeiten. Sehr unangenehm!

2. Versoll 225

Die Heldengruppe formiert sich

Am nächsten Morgen besuchten Lari und Naima ihre Freunde Belara und Adrian und berichteten von dem Auftrag Alana Hortemanns. Belara drängte Adrian dazu, die beiden zu begleiten. Bei der Gelegenheit könnte er doch auch ganz wichtige Handelsbeziehungen knüpfen. Adrian stimmte dem zu. Es fehle ihm dann nur noch jemand, der die ganzen Verträge schreiben könne. Dabei erzählten Naima und Lari von dem Schreiber Tyll. Adrian ging daraufhin zum Laden von Ratz Fatz und traf dort auch auf Tyll von der Linde. Adrian unterhielt sich eine Weile mit ihm und bot ihm schließlich die Anstellung als Schreiber für zwei Wochen an. Tyll nahm das Angebot an. Doch es ergab sich noch ein Problem: Mit Ratz Fatz hatte er einen Arbeitsvertrag über eine längere Zeit geschlossen, der eine zweiwöchige Kündigungsfrist enthielt. So lange konnte Adrian nicht warten.

Tyll gab nicht auf und redete auf Ratz Fatz ein. Adrian war am Ende überrascht darüber, dass dieser sich doch noch von Tyll dazu überreden ließ, ihn früher gehen zu lassen. >>Übrigens: Auch Halbelfen kennen sich ein wenig mit Magie aus.<< Adrian bat Tyll, eventuelle Waffen in Luinmeach zu lassen.

Später gingen Naima und Lari zusammen mit Adrian zu Gilowen und stellten ihn dort vor. Bei der Gelegenheit gaben sie einen Teil ihrer Ausrüstung samt den Waffen zur Verwahrung. Auch die Reittiere konnten sie dort unterstellen, denn die Reise nach Grangor sollten sie mit dem Schiff zurücklegen. Da Lari ihr Pony sehr liebte, erkundigte sie sich danach, wer sich um dieses kümmern sollte. Es handelte sich um eine junge Adeptin. Daraufhin ging Lari noch einmal einkaufen und besorgte ein geschmackvolles Schreibset bestehend aus einer Schreibfeder, einem Tintenfässchen und sechs Papyrusblättern. Dieses übergab Lari der jungen Frau, als sie sich entgültig von Allotria, ihrem Pony, verabschiedete. Die Adeptin war zwar etwas überrascht und zierte sich ein wenig, nahm das Geschenk aber am Ende doch an.

3. – 10. Versoll 255

Die Reise

Die Reise mit dem Schiff verlief unspektakulär und dauerte eine Woche. Tyll zeigte Adrian und Naima ein bisschen was zum Thema waffenlosen Kampf. Und Lari ruhte sich derweil aus.

11. Versoll 225

Ankunft in Grangor

Angekommen in Grangor wurde das Gepäck unserer Helden von Wachleuten untersucht. Tyll hatte seine Waffen in seinem Rucksack versteckt. Doch diese wurden entdeckt und Tyll musste sie abgeben. Damit hatte die Heldengruppe also schon den ersten schlechten Eindruck bei der Stadtwache hinterlassen. Sie durften zwar in die Stadt einreisen, erhielten aber die Warnung, bei der nächsten Auffälligkeit müssten sie die Stadt verlassen.

Tja, da standen unsere Helden nun. In einer fremden Stadt und schon den ersten Ärger mit der Stadtwache hinter ihnen. Kapitän Ramash, der sie mit seinem Schiff hergebracht hatte, zeigte ihnen den Weg zu Familie Hortemann. Unterwegs wurde die kleine Gruppe von einer Schar Bettler begleitet, die sogar hier und da an der Kleidung der Helden zupften, um auf sich aufmerksam zu machen. Dabei schienen sie nicht einmal Angst vor Volvo oder Bözerin zu haben. Kapitän Ramash sagte den Helden, dass die Bettler in der Stadt gut angesehen seien und man sie keinesfalls beschimpfen solle. Aber das hatten die Helden ohnehin nicht vor und Lari verteilte sogar noch ein paar Kupferstücke unter den Bettlern.

Familie Hortemann

Herr Hortemann begrüßte seine Gäste sehr freundlich und führte sie im Haus herum. Unten gab es den Eingang, Lagerräume, Geschäftsräume und so weiter. In der Zwischenetage befanden sich die Gästezimmer und ein gemeinsam zu nutzendes Bad. In der ersten Etage waren die Zimmer der Familie untergebracht. Alles sehr aufwändig und protzig. War aber nicht anders zu erwarten gewesen.

Es stellte sich heraus, dass Tyll von der Linde etwa so lange im Bad brauchte, wie eine zwanzigköpfige Elfenfamilie zusammen. Oh, Graus! Der arme Adrian kam daher vor dem Abendessen gar nicht mehr zum Baden.

Von Herrn Hortemann wurden die Helden gebeten, sich seiner Familie gegenüber als ganz normale Gäste zu geben, um seine Kinder nicht zu beunruhigen. Beim Abendessen lernten sie die ganze Familie kennen. Herr Hortemann hieß Relus mit Vornamen, seine Frau Vanda. Beide waren ziemlich stämmig gebaut. Das gleiche traf auf die vier Kinder zu. Der ältere Sohn hieß Viko und war 17 Jahre alt. Dann kamen die beiden Schwestern Nella (15) und Rama (14), die einander wie Zwillinge glichen. Das Nesthäkchen war der kleine Fekadir (10), der von seiner Familie liebevoll Feksje genannt wurde. Außerdem lernten die Helden Frau Ella Hortemann, die mindestens 200 Pfund schwere Tante von Relus Hortemann kennen. Das Kindermädchen, eine eher dürre Frau mittleren Alters, saß ebenfalls mit am Tisch.

Hortemanns Bericht

Nach dem Abendessen hatten die Helden dann endlich Gelegenheit in Ruhe mit Herrn Hortemann über ihre eigentliche Aufgabe zu sprechen. Sie erfuhren, dass es in jüngster Zeit vier ungeklärte Todesfälle gegeben hatte. Obwohl bei den Toten keine Spuren äußerer Gewalt gefunden worden seien, gingen die Bewohner Grangors davon aus, dass die Männer ermordet worden waren. Die ersten drei Toten wurden im Abstand von genau je einer Woche gefunden, der letzte dann zwei Wochen später.

Sie waren im Schinderwart ertrunken. Normalerweise wurden dort die verurteilten Schwerverbrecher hingerichtet, indem man sie in einen Käfig sperrte und diesen dann versenkte. Auf diese Weise wurden die Verbrecher der Gnade Efferts, dem Wassergott, übergeben. Sollte der Verbrecher überleben, käme das einer Begnadigung gleich. Bisher hatte aber noch keiner überlebt.

Bei den vier Toten handelte es sich allesamt um Mitglieder des Rates der Stadt Grangor, der die Leitung der Stadt oblag. Ursprünglich bestand dieser Rat aus 12 Mitgliedern, den sogenannten Altvorderen. Diese Altvorderen stammten aus den wichtigsten Händlerfamilien der Stadt und ihre Mitgliedschaft im Rat wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Dagegen hatten sich dann aber die neu aufstrebenden Händlerfamilien gewehrt und der Rat wurde um weitere Mitglieder erweitert, die sich in den Rat einkaufen konnten. Doch neben dem Rat gab es die beiden sogenannten Geheimstuben, die eine sehr große Bedeutung in Grangor hatten. Der sogenannten inneren Geheimstube gehörten die Altvorderen Wortheim, Volvert, Keufhoff, Harty und Hortemann an. Ihnen unterlag die Gerichtsbarkeit und sie wählten den Städtemeister. Zu der äußeren Geheimstube gehörten die übrigen Altvorderen.

Der Altvordere Thomas Sandfort, welcher der äußeren Stube angehörte, war das erste Todesopfer gewesen, danach folgten Wilhelm Keufhoff und Egon Volvert, beide Mitglieder der inneren Stube. Schließlich starb August Wortheim, der vor etwa fünf Jahren seinen Platz in der inneren Stube seinem Nachfolger übergeben hatte. Verständlich, dass Relus Hortemann nun Angst um sein Leben hatte. Er war selbst Mitglied der inneren Stube.

Arbeitshypothesen

Unsere Helden versuchten ein Muster im Geschehen zu erkennen. Auffällig fanden sie, dass die Toten dort gefunden wurden, wo sonst Schwerverbrecher hingerichtet wurden. Sie fragten Relus Hortemann, ob er sich an einen ungewöhnlichen Gerichtsprozess erinnern könnte. Doch er selbst gehörte erst seit vier Jahren dem Rat an und wusste dazu nichts zu sagen. Außerdem sei die Familie Hortemann ohnehin nicht von Anfang an Mitglied des Rates gewesen, sondern erst an Stelle einer anderen aufgerückt. Das machte unsere Helden neugierig. Was hatte damals dazu geführt? Was war aus der anderen Familie geworden? Handelte es sich bei den vermuteten Morden um einen Racheakt? Relus verwies die Helden an das Stadtarchiv, wo Berichte über alte Prozesse zu finden seien. Sie könnten aber auch mit seiner Tante sprechen, deren Mann vor Relus der Familienvorstand gewesen sei.

Die erste Nacht

Die Helden beschlossen anschließend, sich in zwei Gruppen aufzuteilen. Naima und Tyll wollten sich bei einem Nachtspaziergang in der Stadt umschauen und gingen zum Haus des Altvorderen Hartys, weil sie in ihm ein weiteres potentielles Opfer sahen. Adrian und Lari blieben im Haus ließen sich auf der ersten Etage bei den Schlafzimmern der Familie zur Wache nieder. Naima und Tyll konnten jedoch nichts Verdächtiges feststellen und gingen zurück. Tyll begab sich ins Bett, Naima ging zu den anderen. Leider schlief Adrian während seiner Wache ein. Am nächsten Morgen wurden sie von Relus Hortemann geweckt. Das war schon ziemlich peinlich.

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