Die Helden haben einen Verdacht, wer der Bösewicht ist und suchen daher nach Verbündeten. Doch genau das ist gar nicht mal so leicht. Alle haben zwar Angst vor weiteren Toten, aber für die Entfernung des Bösen fühlt sich niemand zuständig..
14. Versoll 225
Am nächsten Morgen wurden Hortemanns und unsere Helden am Frühstückstisch
gestört. Zwei Wachleute von der Garde waren eingetroffen. Die Helden
wurden um eine Unterredung gebeten. Sie erfuhren, das der Wache ein Kampf
gemeldet worden war, bei dem zwei Stadtbürger von denWorgsverletzt
worden seien. Die Helden wurden daher höflich, aber nachdrücklich
gebeten, ihreWorgsbei Unternehmungen in der Stadt nicht mehr mitzunehmen.
Die Helden widersprachen diesem Ansinnen. Sie argumentierten damit, dass sie
angegriffen worden seien und dass dieWorgssich lediglich verteidigt hätten.
Aber die Wachen wollten davon nichts hören. Sie hätten 17 Zeugen,
die was anderes behaupten würden. Wenn die Helden allerdings eine Gerichtsverhandlung
haben wollten, würden sie ihre Aussagen zur Kenntnis nehmen. Aber sie
bestanden darauf, dass die Helden ihreWorgsnicht mehr mitnehmen dürften.
Selbstverständlich war der erste Gedanke der Helden daraufhin, die Stadt
zu verlassen wollten. Der Vorschlag der Helden, mit Harty persönlich
zu reden, wurde rigoros unterdrückt. Nach langem Hin und Her war es schließlich
Adrian, der einen Kompromiss erreichte. Die Helden würden ihreWorgs
bei Hortemann lassen, wenn sie dafür von der Wache Geleitschutz bekämen.
Der Bitte wurde entsprochen. Und die Gardisten gingen wieder. Eine halbe Stunde
kamen zwei Wachleute, Fritz und Hans an, die von nun an die Helden begleiten
würden.
Der erste Gang der Helden und damit auch der von Fritz und Hans galt an diesem Morgen dem Haus von Etze Liegerfeld, dem Onkel Vanderzees. Dieses stand in einem etwas älteren, aber durchaus respektablen Viertel Grangors. Es zeugte von dem Reichtum einer Patrizierfamilie, wenngleich es nicht mehr ganz so gut gepflegt war, wie das der Familie Hortemann. In den Nachbarhäusern herrschte reges Treiben. Nur bei dem von Etze Liegerfeld war es ungewöhnlich ruhig.
Das Haus selbst war von einer hohen Mauer, das Tor dazu war verschlossen. Die Helden benutzen den eisernen Türklopfer. Nach einer Weile öffnete eine ältere Frau und fragte etwas ruppig nach ihrem Begehr. Adrian und Lari stellten sich vor und baten, Herrn Liegerfeld aufsuchen zu dürfen. Doch diese Bitte wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dieser krank sei und Ruhe bedürfe. Adrian wies darauf hin, dass Lari Heilerin sei und sicher helfen könne. Doch davon wollte die Frau nichts wissen und schloss die Tür. Naima schaute sich das Haus ein wenig näher an, während Lari die Wachleute abzulenken versuchte. Doch die Fenster waren durch Gardinen vor neugierigen Blicken geschützt und auch ansonsten war nichts Ungewöhnliches feststellbar.
Das nächste Ziel der Helden war nun die Herberge „Zur offenen Hand“, der Treffpunkt der Bettlergilde. Dort sprachen sie einen Bettler an. Dieser bestätigte das Angebot der Hohepriesterin. Die Helden befragten ihn nach Auffälligkeiten, was die Altvorderen und die Todesfälle betraf. Aber er wusste dazu nichts sagen. Daher wechselten die Helden das Thema und fragten nach dem Haus von Etze Liegerfeld und ob es dort in letzter Zeit zu einer Veränderung gekommen sei. Der Bettler antwortete nachdenklich: „Da ist tatsächlich etwas gewesen. Etwa vor einem Jahr hat dort eine neue Haushälterin angefangen. Eine sehr merkwürdige und unangenehme Person. Nach und nach hat deshalb auch das übrige Personal gekündigt. Mehr dazu kann Euch aber bestimmt mein Kollege Foko sagen. Der sitzt dort immer an einer Brücke in der Nähe des Hauses.“ >>Sabine: „Ein Alteingesessener!“<< Zufällig war auch Foko gerade da und die Helden konnten gleich mit ihm sprechen. Er wusste zwar, dass an der Haushälterin irgendetwas auffällig war, wusste aber nicht genau zu sagen, worin das bestand. Er war blind und daher ein etwas schwieriger Zeuge. Angesprochen auf Kriemhilde Vanderzee fiel ihm aber schließlich ein, dass diese und die Haushälterin durchaus miteinander identisch sein konnten. Denn sie hätten die gleiche hastige Gehweise. An Kriemhilde würde er sich noch von früher gut erinnern, weil diese immer so barsch mit ihm umgegangen sei.
So fügte sich also schließlich ein Indiz an das andere und das
Bild vervollständigte sich. Den Helden war ja bereits bekannt, dass Kriemhilde
böse Drohungen dem Rat gegenüber ausgestoßen hatte, als dieser
ihren Sohn zu Tode verurteilt und sie aus der Stadt verbannt hatte. Außerdem
wussten sie bereits, dass Kriemhilde sich damals schon mit druidischer Magie
befasst hatte. Die Magie, unter der Hortemann gestanden hatte, als er beinahe
in den Schinderwart gesprungen war, konnte durchaus druidischer Herkunft sein.
Die Helden baten die Bettlergilde, das Haus Liegerfels zu beobachten und ihnen
zu ihnen zu kommen, wenn sich dort etwas täte.
Die Helden gingen zurück zu Hortemann, berichteten ihm von ihren Erkenntnissen und baten ihn, etwas zu unternehmen. Das jedoch lehnte dieser schlichtweg ab. Es gäbe für ihn nur den offiziellen Weg, den er aber nicht beschreiten könne, da ihm die Beweise fehlten. Das brachte Lari sehr in Rage. Denn erstens hatte Hortemann nicht einmal gefragt, ob sie ihre Aussagen belegen könnten. Und zweitens konnte sie sich nicht vorstellen, dass Herr Hortemann nicht Mittel und Wege kannte, weitere Informationen auf dem inoffiziellen Weg zu bekommen. Lari gab Herr Hortemann zu bedenken, dass es immerhin sein und nicht ihr Leben sei, das in Gefahr wäre. Adrian schlug vor, man könne ja vielleicht auch einen Assassinen anheuern, der Kriemhilde aus dem Weg schaffen könnte. Doch egal, wie viele Vorschläge sie auch brachten, Herr Hortemann blieb stur. Er sagte den Helden, sie sollten selbst das Problem lösen. Außerdem betonte er, dass ihm gleich sei, welche Mittel sie dafür einsetzten, solange er damit nichts zu tun habe. Als Tyll um verschiedene Dinge bat, die ganz offenbar bei einem Einbruch Verwendung finden konnten, verzog er nicht einmal eine Miene.
Den zweiten Versuch unternahmen die Helden bei der Hohepriesterin des Effert Tempels. Auch ihr berichteten die Helden von ihren Ermittlungsergebnissen und baten anschließend um Unterstützung. Doch auch sie lehnte ab mit der Begründung, sie sei für solche Aufgaben nicht zuständig. Die Helden redeten auf sie ein: Immerhin sei doch die ganze Stadt betroffen, es würden doch Menschen sterben und weitere in Gefahr sein. Außerdem verfügten Kleriker doch bestimmt über göttliche Magie, mit deren Hilfe gegen druidische Magie anzugehen sei. Doch Alane lies sich nicht erweichen. Effert würde die Schuldigen und Unschuldigen bei der Probe im Schinderwart erkennen, für mehr sei der Efferttempel nicht zuständig. Für alles andere sollten die Helden sich an die Wachen wenden.
Das taten diese auch. Sie hatten tatsächlich die Gelegenheit mit dem zuständigen Offizier zu sprechen. Doch der schien die Geschichte nicht glauben zu wollen. Auch er argumentierte damit, dass es ihm stets nur möglich sei, den hoch offiziellen Weg zu begehen. Und für diesen fehlten die Beweise. Die Helden machten auch hier verschiedene Vorschläge. Unter anderem könne man doch jemanden zu Liegerfelds Haus schicken, der sich Kriemhilde von früher her kenne. Da sie ja offiziell aus der Stadt verwiesen worden war, wäre das doch bestimmt ein guter Ansatzpunkt für die Ermittlungen. Nur sehr zögerlich und offenbar halbherzig griff der Offizier diese Idee auf.
Nach diesen Fehlschlägen waren die Helden sehr entmutigt. Sie hatten sich viel Mühe gegeben, die Angelegenheit friedlich zu klären. Doch nun waren sie vollkommen gescheitert. Es machte sie sehr traurig, dass niemand helfen wollte, weitere Todesfälle zu verhindern. Tyll dagegen sprach immer wieder davon, in das Haus Liegerfelds in der Nacht einzubrechen, um die Beweise zu beschaffen. Adrian war sich von diesem Vorschlag entsetzt. Er war nicht bereit, etwas illegales zu tun.