Heldentagebuch: Hexe und Magier

Monatelang hatte Lari die bösen Unterstellungen, sie sei eine Hexe abgestritten. Doch dann kam irgendwann doch der Tag, an dem sie ...

Mit
Lari Fari, der Hexe
Hythorus, dem Magier
und
Naima, der Waldläuferin

Unsere Helden waren mal wieder in ein neues Abenteuer verstrickt. Ein Nixenmädchen hatte uns um Hilfe bei der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder gebeten. Um die Sache nicht zu einfach zu gestalten, waren unsere Helden kurz zuvor ausgeraubt worden und hatten mehr schlecht als recht eine Unterkunft in einem völlig überfüllten Zwergen-Haus bekommen (Mehr dazu unter "Viele, viele Zwergenkinder").

Die Stadt selbst war völlig überfüllt, denn es herrschte gerade Frühlingsfest. Die Helden beschlossen also, ihre verschiedenen Ziele miteinander zu verknüpfen: Arbeits- und Nixenjungen-Suche. Lari, Naima und Hythorus gingen zur nächsten Schänke. Naima und Hythorus blieben draußen. Es hätte ja sein können, dass rein zufällig ein Nixenjunge vorbeilief... Lari betrat indes den Schankraum und traf sogleich auf den Wirt, der an der Theke stand und Getränke einschenkte. Sie unterhielt sich mit ihm, aber er konnte ihr keine Arbeit anbieten. Da spürte Lari so ein komisches Kribbeln im Genick, so, als beobachtete sie jemand. Vorsichtig schaute sie sich um und richtig, da saß ein Mensch und starrte sie an. Also starrte sie einfach demonstrativ zurück. Der Mensch winkte sie zu sich. Naja, dachte sich Lari, irgendwie musste man ja Leute kennen lernen und ging zu ihm hinüber: "Tag. Was gibt's?" "Ich habe zufällig Euer Gespräch mit dem Wirt mitangehört. Ihr habt keine Unterkunft für die Nacht, habe ich gehört." "Ja", meinte Lari vorsichtig, "ich bin auf der Suche nach Arbeit." "Vielleicht könnte ich Euch ja weiterhelfen..." Lari sah den Mann misstrauisch an: "Woran hättet Ihr denn da gedacht?" Schmachtend blickte er sie an: "Na, Ihr seid doch eine hübsche Frau und ... Setzt Euch doch erst mal her zu mir." Langsam reichte es Lari. Was bildete sich dieser bunte Gockel eigentlich ein? "Ach wisst Ihr", sagte sie etwas unterkühlt, "Ich bin nicht alleine in der Stadt. Ich muss zu meinen Kameraden." Der Mann sah sie enttäuscht an: "Na, wenn das so ist..." Lari verabschiedete sich und verließ den Tisch. Aber das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Von einem Menschen angebaggert zu werden und dann auch noch mit solchen plumpen Angeboten. Puh, wie ekelig! Sie suchte sich einen unauffälligen Platz, um den Mann beobachten zu können. Und richtig, der suchte offenbar schon sein nächstes Opfer. Lari traf ihre Vorbereitungen zu ihrem Lieblingsfluch: Atemnot. Damit konnte man doch immer wieder die Leute gut erschrecken! Sie konzentrierte sich auf ihr Opfer und begann mir ihrem Fluch. Doch das schien bei dem Typen gar keine Wirkung zu haben. Lari war verwirrt. Sie schaute sich den Mann näher an. Könnte das ein Magier oder ein Hexer sein? Bei der bunten Kleidung eigentlich eher nicht. Aber was war nun zu tun?

Schweren Herzens beschloss Lari nach draußen zu Naima und Hythorus zu gehen. "Hallo Ihr zwei." "Hi Lari", sagte Naima, "hattest du Erfolg bei der Arbeitssuche?" "Nicht ganz. Aber ich bin von einem Menschen angebaggert worden. Kannst du dir so etwas widerliches vorstellen?""Von einem Menschen?" fragte Hythorus zweifelnd. "Wirklich?" "Ja, wirklich", antwortete Lari genervt. "Der Typ kommt mir überhaupt sehr eigenartig vor." "Na, wenn er dich anbaggert, ist der bestimmt nicht ganz normal..." Lari sah Hythorus sauer an, versuchte aber trotzdem, ein wenig nett zu sein. Immerhin wollte sie Hilfe von Hythorus. "Ich denke, da ist noch was anderes nicht in Ordnung mit dem. Vielleicht irgendwas mit Magie. Kannst Du ihn dir nicht mal anschauen?" Hythorus sah Lari groß an. Hatte sie ihn wirklich gerade auf Magie angesprochen? Das fand er doch äußerst interessant. Lari gefiel das gar nicht.. Ausgerechnet von diesem Magierlehrling Hilfe zu beanspruchen. Dennoch nahm sie ihn ein Stück zur Seite, sah ihn warnend an und sagte: "Naja, der Mann sieht ja äußerlich wirklich nicht wie ein Magier aus. Aber vielleicht ist er ja doch einer. Der ist so komisch. Kannst Du nicht mal gucken, wie Deine Magie auf ihn wirkt?" Hythorus grinste über das ganze Gesicht. "Jetzt hab ich sie", dachte er, "hat sie sich doch endlich verplappert!" Lari warf ihm einen bösen Blick zu. Nur gut, dass ihre Blicke nicht tödlich waren!

Hythorus gab sich freundlich: "Wen meinst du eigentlich? Ich muss mir den mal näher anschauen." Lari zeigte ihm den Mann. Hythorus guckte überrascht. Der Mann sah wirklich nicht nach einem Magier aus. Aber vielleicht war ja doch was dran an der Geschichte? Er beschloss mal wieder seinen Lieblingszauber anzuwenden: Elfenblick (einem Freundschaftszauber). Aber wie konnte er sich unauffällig an den Mann rantasten. Naima beschloss zur Hilfe zu eilen und den Mann abzulenken.

Sie betrat die Schänke und schon starrte der Mann zu ihr herüber. Gut, offenbar stand er nicht nur auf Halblingsfrauen. Sie ging zu ihm rüber und sprach ihn an. Binnen kürzester Zeit war er dermaßen damit beschäftigt Naima den Hof zu machen, dass er seine Umgebung kaum noch beachtete. Naima verstand ihrerseits gar nicht, was Lari an ihm auszusetzen hatte und unterhielt sich ganz prächtig mit ihm. Inzwischen schlenderte Hythorus gekonnt lässig zu den beiden rüber und versucht es mit seinem Elfenblickzauber. Doch der Fremde reagierte eher verwirrt als freundschaftlich. "Mist", dachte sich der Magier, "ich muss es wohl noch mal versuchen." Aber auch der zweite Versuch scheiterte.

Derweil beobachtete Lari was geschah. Sie sah, dass auch Hythorus nicht erreichte, was er wollte. "Nun", überlegte sie sich, "vielleicht sollte ich es selbst auf einen weiteren Versuch ankommen lassen." Sie konzentrierte sich auf den Wirt - der hatte sie ja auch irgendwie geärgert - und versuchte es bei ihm mit dem Atemnotfluch. Doch wieder zeigte der Fluch keine Wirkung. Als nächstes sah sie sich draußen nach ein paar Vögeln um. Mit Hilfe des Windraubfluches versuchte sie einen vom Himmel zu holen. Doch das gelang nicht. Nach zwei weiteren, vergeblichen Versuch, gab sie auf.

"Irgendwas stimmt mit diesem Kaff doch nicht!", dachte sie sich und ging in die Kneipe, um mit Hythorus zu reden. Der war immer noch damit beschäftigt, auf den Fremden den Elfenblickzauber anwenden zu wollen. Lari hielt ihn davon ab und nahm ihn mit nach draußen vor die Schänke. "Könnte es sein, dass in der ganzen Stadt Magie nicht wirkt?" Hythorus blickte sie fragend an. "Naja, du scheinst ja keinen Erfolg zu haben." Hythorus zog die Augenbrauen hoch. "Außerdem ist meine Ratte jetzt wieder ganz friedlich. Das erste Mal seit Tagen. Kann doch sein, dass die Magie hier in der Stadt nicht wirkt, die sie vorher so wild gemacht hat." Lari warf ihm dabei einen warnenden Blick zu. Hythorus erlaubte sich ein wissendes Grinsen. "Naja, vielleicht sollten wir mal ausprobieren, wie weit dieses Gebiet geht, wo die Magie nicht hilft." "Aha", meinte Lari, "und wie willst du das anstellen?" "Ganz einfach, wir gehen einfach die Stadtgrenze ab und gucken, wo deine Ratte wieder unruhig wird." Gesagt getan, die beiden ließen Naima weiter flirten und wanderten von einer Stadtseite zur anderen. Dabei beobachteten sie die Ratte ganz genau. Und siehe da: Sobald die zwei die Stadtgrenze überschritten, wirkte die Magie auch wieder.

Hythorus hatte also endlich erreicht, was er wollte: Lari hatte - zwar nur indirekt - zugegeben, irgendwie etwas von Magie zu verstehen. Nun gut, Schadenfreude mag die beste Freude sein, aber das funktioniert eben auch in beide Richtungen..

Aus dem Geburtenregister hatten sich Lari und Hythorus die Namen der Kinder herausgesucht, die ungefähr im Alter des Nixenjungen waren. Gemeinsam gingen sie nun zum Hof des Bauern Leuter, um sich deren Sohn einmal anzuschauen. Dazu mussten sie auch die Stadtgrenze passieren und Laris Ratte wurde wieder unruhig. Doch das sei hier nur nebenbei bemerkt...

Sie fanden den Leuterhof ohne Probleme. Dort wurde geschäftig gearbeitet und Lari und Hythorus nicht weiter beachtet. Auch gut. Immerhin fanden sie auf diese Weise recht schnell den Sohn des Knechts: Jim. Die beiden beäugten den Jungen kritisch. Der hatte zwar blonde Haare, wirkte aber sonst vom Knochenbau und seinen Gesichtszügen eher grob. Doch obwohl Lari und Hythorus zweifelten, den richtigen Jungen vor sich zu haben, wollten sie die Sache doch noch näher untersuchen. Daher sprach Hythorus den Jungen an, doch der reagierte abweisend. Immerhin war Arbeit angesagt und die beiden komischen Fremden störten nur. Da fand Hythorus, dass das mal wieder eine prima Gelegenheit für den Freundschafts-Zauber Elfenblick war. Gesagt, getan und: Es wirkte. Mit einem Male hielt der Junge Hythorus für einen echten Freund, mit dem er sich unheimlich gerne unterhalten wollte. Natürlich befragte Hythorus ihn nach seiner Herkunft und ob er etwas über Nixen wisse und so. Doch das brachte wenig. Jim war fest davon überzeugt, dass sein Vater sein Vater und dass Nixen Märchenfiguren seien. Allerdings fand er es mächtig interessant, dass Hythorus Magier war. "Kannst du mir auch mal was zeigen? Kennst du irgendwelche Tricks?" "Naja, äh, ich kann mit Tieren sprechen." "Das ist langweilig. Weißt du nichts besseres?" Hythorus überlegte fieberhaft. Womit konnte er den Jungen denn so richtig beeindrucken? Lari schaute sich derweil weiter auf dem Hof um, um den Vater des Jungen zu suchen. Und siehe da, nach kurzer Zeit fand sie ihn auch. Jim sah dem Knecht so ähnlich, dass Lari davon überzeugt war, dass die beiden auch wirklich Vater und Sohn waren. Hythorus hatte inzwischen eine besonders gute Idee, wie es ihm schien. Er wendete den Zauber "Ethephalos’ magisches Gespräch" an. Fieberhaft überlegte er, was er dem jungen nun sagen könnte, denn der Zauber kostet mächtig viel geistige Ausdauer. Einfallsreich, wie Hythorus nun einmal war, sandte er zwei besonders bedeutungsvolle Worte direkt in den Kopf des Jungen: "Hallo Jim!" Der war natürlich schwer beeindruckt und antwortete sofort: "Ja, ich bin es. Hast du das gemacht? Das war ja direkt in meinem Kopf. Toll. Äh, hallo Hythorus."Hytorus dagegen sah mit einem Mal sehr erschöpft aus. Die Worte des Jungen ware auch auf magischem Weg übermittelt worden und zwar auf Kosten von Hythorus’ geistiger Ausdauer. Als Lari dazu kam, nahm sie Hythorus beiseite: "Du ich glaube, der Junge ist wirklich der Sohn des Knechts. Allein schon die Familienähnlichkeit! Vielleicht haben die anderen im Fischerdorf mehr Glück!" Dann sah sie sich den Magier genauer an. "Was ist eigentlich los mit dir, ist irgendwas passiert." Doch Hythorus stöhnte nur noch. Lari wandte sich dem Jungen zu: "Sag mal, ist irgendwas gewesen?" "Ja", antwortet der Junge freudestrahlend, "Hythorus hat mit mir gesprochen ohne die Lippen zu bewegen. Er hat direkt in meinen Kopf gesprochen. Hallo Jim, hat er gesagt." Lari dämmerte langsam, was passiert war. So ein wenig kannte sie sich ja auch mit Magie aus. "Sag mal Jim, hast du Hythorus eigentlich auch geantwortet?" "Na klar hab ich das. Ich war so überrascht. Das war echt toll!" Lari sah den Magier mit einem zuckersüßen Lächeln an: "War wohl ziemlich anstrengend, euer Gespräch, was?" Hythorus bleibt nur noch ein verzweifeltes Nicken...

Übrigens wurden Lari und Hythorus trotz aller Unterschiede im Laufe der Zeit echte Freunde. Ach ja: Der Nixenjunge wurde natürlich auch noch gefunden und zu seiner Familie gebracht. Doch das ist eine andere Geschichte...

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