Heldentagebuch: Die Truhe

Vorsicht: Die Geschichte ist nicht geeignet für flaue Mägen und allzu zarte Gemüter, denn hier gehts um Hack and Slay auf Zwergenart

Mit
Lari Fari, der Hexe
Larissa, der Magierin
Sven, dem Ordenskrieger
Cloud, dem Yektozi-Krieger
Tori Timber, der Illusionistin
und
Habendulin und Rotbart,
den beiden Zwergenkriegern

Die Helden hätten so glücklich sein können: Sie hatten ein gefährliches Abenteuer bestanden und dabei rätselhafte Kindermorde aufgeklärt, einen bösen Dämonenbeschwörer besiegt und grauenhafte Monster aus einer anderen Dimension vertrieben. Doch da war noch eine wichtige Kleinigkeit: Sie waren nur deswegen in dieses Abenteuer hineingezogen worden, weil man ihnen die Ausrüstung gestohlen hatte. Und nur um eben jene zu finden, waren sie anfangs in der Stadt geblieben. Jetzt war zwar das Böse gebannt und die Stadt gerettet, aber die Ausrüstung blieb verschwunden.

Da fiel dem jungen Zwergenkrieger Habendulin etwas ein: Da war doch dieses Verlies, wo Cloud und Vinturas eingesperrt gewesen waren. Konnte es möglich sein, dass die gestohlene Ausrüstung noch dort war? Er meinte sich an eine Gittertür erinnern zu können, an der sie vorbeigekommen waren. Sogleich entbrannte zwischen den Helden eine Diskussion darüber, wie man nun unbesehen in das Gefängnis hinein- und anschließend hinaus gelangen könnte. Es gab nur eine Lösung: Sie mussten den selben Weg nehmen, die sie schon bei der Flucht genommen hätten. Und das war durch die Kanalisation. Sie schauderten zwar bei der Notwendigkeit, wieder durch die stinkenden Fäkalien laufen zu müssen, aber irgendwie war es das wohl wert.

Angewidert und mit schützenden Tüchern vor den Nasen betraten die Helden die Kanalisation. Habendulin kannte sich als echter Zwerg natürlich bestens aus. Berwerk oder Kanalisation, da war doch praktisch kaum ein Unterschied. Zielsicher führte er die anderen vor die Tür, durch die er vor wenigen Tagen mit Cloud und Sven geflohen war. Doch diese Tür konnte man nur von einer Seite her öffnen und sie standen nun auf der falschen. Fachmännisch untersuchten Rotbart und Habendulin Tür und Mauerwände. „Ich habe etwas gefunden!“ rief Rotbart aufgeregt. „Schaut doch: Hier links in der Wand sind die Scharniere, dann müsste doch rechts das Schloss sein.“ Mithilfe einer flachen Messerklinge versuchte Rotbart nun das vermutete Schloss zu überwinden. Doch es gelang ihm nicht. Cloud bat daher Lari, sie solle es doch mal versuchen. Immerhin kenne sie sich doch wohl mit Mechanik aus. Lari schaute sich die Tür noch einmal gründlich an und wies dann mit der Hand zum oberen Teil: „Also von hier unten aus kann ich nichts ausrichten, vielleicht hätte ich da oben mehr Glück. Aber da komme ich so nicht hin.“ Also hob Cloud sie hoch und sie machte sich dort zwischen Tür und Rahmen zu schaffen. Und siehe da: Es gelang ihr, die Mechanik zu überlisten und die Tür ward geöffnet.

Den dahinter liegenden Raum kannten Cloud, Habendulin und Sven noch recht gut. Dort stand auch noch die verschlossene Truhe. Was mochte wohl da drinnen sein? Für den für seine besondere Neugierde bekannten Zwerg Habendulin gab es mit einem Male nichts Dringlicheres, als diese Truhe zu öffnen. Aber auch Rotbart schaute gierig darauf. Man sah ihm an, dass er schon im Geiste überlegte, wie viele Goldstücke und Edelsteine eine dermaßen große Truhe fassen mochte. Sie war etwa 1,70 m hoch und mindestens drei Meter breit. Ein bisschen groß für zwei Zwerge. Doch von solchen Nebensächlichkeiten ließen sich die beiden nicht stören, sondern schoben schnell einen Tisch herbei, der an der anderen Seite des Raumes stand. Sie kletterten hinauf, Habendulin zog seinen Dietrich aus der Tasche und versuchte die Truhe zu öffnen. Vorsichtig bewegte er den Dietrich im Schloss hin und her. Doch das war Rotbart alles viel zu langsam. Er wollte an den Inhalt der Truhe und das bitte noch am selben Tag. Ungeduldig schob er Habendulin beiseite und versuchte seinerseits sein Glück. Wozu hatte er denn seine Axt? Na, offensichtlich zum Schlösserknacken. Und tatsächlich: Nach zwei kräftigen Schlägen zerbrach das Schloss in zwei Hälften.

Jetzt musste also nur noch der Deckel von der Truhe genommen werden. Schon machten sich die beiden Zwerge bereit, doch Sven rief dazwischen: „Stoppt! Wir müssen uns doch vorher noch bereit machen. Das heißt also Waffen ziehen. Und ich nehme mir noch eine Säurekugel. Sicher ist sicher. Wer weiß was in dieser Truhe so lebt. Wie ihr sehr genau wisst, ist in dieser Stadt alles möglich. Und letztens haben wir schon mal eine harmlos aussehende Truhe gefunden, in der sogar ein Zerberus lebte. Also sollten wir uns auf einen möglichen Kampf bereit machen!“ Cloud, Larissa, Lari, Tori und Butterbuttom sahen Habendulin (den einzigen, der Svens Sprache verstand) genervt an: „Was hat er gesagt?“ Habendulin: „Waffen bereit machen und Kampfposition einnehmen.“

Gesagt, getan: Sven holte bereits eine Säurekugel hervor. Cloud zückte sein Schwert und Larissa ihren Magierstab. Lari kletterte mit Toris Hilfe auf einen Schrank. Dann zog sie ihre Schleuder hervor.

Die Zwerge schauten sich noch einmal prüfend nach ihren Kollegen um, hoben dann mit vereinten Kräften den Deckel an und warfen ihn nach hinten. Schon kamen drei große, ziemlich hässlich aussehende Köpfe aus der Truhe hervor. Man hatte dort tatsächlich eine Hydra als Wachmonster versteckt.

Die Köpfe der Hydra sahen wütend zu den Helden. Der erste entdeckte Habendulin und schnellte direkt auf ihn zu. Doch der hatte sein Schwert griffbereit und schlug damit der Hydra ihren ersten Kopf ab. Sven warf seine Säurekugel. Der zweite Kopf entdeckte die fliegende Säurekugel und schnappte irritiert danach. Sofort platzte die Kugel und das Tier schrie schmerzerfüllt, während die Säure ihr Maul zerfraß. Lari zielte derweil mit der Schleuder auf den dritten Kopf und traf. Dieser war davon dermaßen abgelenkt, dass Habendulin auch auf diesen Kopf einhacken konnte.

Rotbart kletterte währenddessen in die Truhe. Dort fiel er direkt zwischen Hydra und Truhenwand und schlug mit seiner Axt auf die Hydra ein. Habendulin sprang ebenfalls in die Truhe und half Rotbart beim Metzeln. Die Zwerge schlugen und hackten auf den Körper der Hydra ein. Das Blut spritzte nach allen Seiten. Dann begannen sie, Teile der Hydra abzuschneien und diese aus der Truhe zu werfen. Das war zuviel für ihre Kollegen. Während die Zwerge weitermetzelten, flohen sie anderen angewidert in Deckung. Vor lauter Blut konnten sie ohnehin nicht mehr zwischen den Zwergen und der Hydra unterscheiden.

Doch in ihrem Todeskampf wehrte sich die Hydra mit ihren letzten Kraftreserven. Habendulin wurde von ihr unsanft gegen die Truhenwand gedrückt und dabei fasst zu Tode gequetscht. Rotbart jedoch nutzte den Moment der Ablenkung und versetzte der Hydra den Todesstoß: Mit dem Messer direkt ins Herz der Hydra. Anschließeden befreite er zunächst Habendulin aus seiner unangenehmen Lage und verzehrte anschließend genussvoll das Herz des Monsters.

Unter der Hydra fanden die Zwerge genau das, was sie vermutet hatten: Jede Menge Gold. Dazu auch noch mit Platin vermengt. Die Sache hatte nur einen Haken: Es handelte sich nicht um einzelne Münzen, sondern um einen riesigen, den gesamten Boden der Truhe ausfüllenden Barren. Welch ein Wert, welch ein Schatz! Doch welch sperrige Form! Denn wie sollten sie dieses mitnehmen? Verzweifelt starrten die beiden Zwerge auf den riesigen, wunderschönen und recht unhandlichen Barren. Zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben sahen Lari und die übrigen Helden echte Zwergentränen.

Nebenher bemerkt gingen diese natürlich weiter und fanden tatsächlich jene Gittertür, an die sich Habendulin erinnert hatte. Die gesamte gestohlene Ausrüstung wurde gefunden, der Kerker noch ein wenig untersucht und die Helden traten den Rückweg an.

Doch da waren noch immer die beiden Zwerge, die verzweifelt vor der Truhe standen. Was war zu tun? Tori versuchte sie abzulenken: „Seht nur. Wir haben die Ausrüstung wieder. Hier Rotbart: Dein Schlafsack, dein Seil und hier ist noch ein wenig getrocknete Ratte im Beutel.“ Auch Lari redete ihnen gut zu: „Die Truhe ist viel zu groß und schwer. Die kriegen wir niemals durch die Kanalisation nach oben. Völlig unmöglich!“ Doch die beiden Zwerge reagierten gar nicht. Da versuchte es Larissa mit Hypnose. Doch auch dafür waren die beiden viel zu stur.

Schon wollten die anderen aufgeben und die beiden Zwerge vor der Truhe stehen lassen, als dann endlich Rotbart selbst die rettende Idee hatte: Er vollführte ein kleines Ritual zu Ehren des Zwergengottes Ognier. Damit spendete er diesem einfach das ganze Gold. Dann würde Ognior ihm bei künftigen gefährlichen Situationen bestimmt helfen. Außerdem könnte er ja später immer noch wiederkommen und den Barrren bergen. Als dem Plan auch noch Habendulin zustimmte, atmeten die anderen erleichtert auf. Endlich konnten sie gemeinsam den unwirtlichen Ort verlassen.

Sie mussten zurück durch die Kanalisation. Wieder oben beim Tageslicht angekommen, wurden sie sogleich von patrouillierenden Stadtwachen aufgehalten. Diese musterten vor allem sehr misstrauisch, denn sie waren ja noch immer von oben bis unten von Hydra-Blut bedeckt. Doch irgendwie gelang es Habendulin die Wachen davon zu überzeugen, dass das Blut noch von dem Kampf mit den Käfermonstern wäre, die die Helden zuvor besiegt hatten. Die Wächter bestanden allerdings darauf, die Helden persönlich zum nächsten Badehaus zu begleiten. Selbst der äußerst wasserscheue Rotbart musste mitkommen. Dort reagierte man angemessen entsetzt. Vor dem eigentlichen Bad wurden Rotbart und Habendulin gründlich abgespritzt und eingeweicht. Außerdem wurde ihre Kleidung unauffällig entsorgt. Rotbart war erschüttert: Zwanzig Goldstücke musste er allein für das Bad bezahlen. Dazu noch die neue Kleidung. Was für unnötige Kosten!

Als die Helden schließlich die Stadt verließen, trugen sie neben ihrer Ausrüstung noch den leichten Duft von Rosenseife mit sich...

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