Heldentagebuch: Zwergenhaus

Was macht ein Spielleiter, wenn die Helden nicht im abenteuerwichtigen Gasthaus, sondern bei irgendeinem unwichtigen Zwergenhändler übernachten wollen? Richtig: Er sorgt dafür, dass es in dem anvisierten Haus einfach keinen Platz mehr gibt. Oder?

Mit
Aurus, dem Elf
Lari Fari, der Hexe
Hythorus, dem Magier
Naima, der Waldläuferin
und
Nindalf, dem zwergischen Ordenskrieger

Die kleine Heldentruppe hatte den Auftrag, gegen gute Bezahlung einige wertvolle Bücher auszuliefern. Unterwegs wurden sie von Räubern überfallen, ausgeraubt und in einer Höhle eingesperrt. Nur mit Mühe konnten sie sich befreien. Sie konnten zwar einen Teil ihrer Ausrüstung retten, doch ihr gesamtes Gold war weg. Glücklicherweise waren die Bücher des Händlers noch da, also beschlossen sie, die Ware noch auszuliefern. Bei der Gelegenheit wollten sie Meister Gump, den Empfänger der Bücher, gleich fragen, ob sie bei ihm übernachten dürften.

Nach langer Wanderung erreichten die tapferen Helden endlich das eigentliche Ziel ihrer Reise: Ken Bravur. Wie sich herausstellte handelte es sich dabei, um nichts weiter als ein kleines Kaff, das sich an eine Burg anlehnte. Auffällig war, dass dort sehr viel mehr Leute herumliefen, als dort eigentlich zu wohnen konnten. Daraus schlossen die Helden gleich: Hier fand bestimmt ein Fest statt! Leider hatten sie dafür keine Zeit. Darum fragte Lari auch gleich den ortsansässigen Töpfer, ob er wisse, wie man zu Meister Gump komme. Und weil es sich bei Ken Bravur um ein wirklich ausgesprochen freundliches Kaff handelte, bekam Lari natürlich auch ihre Auskunft. Andererseits war der Töpfer auch ein klein wenig neugierig und sah sich Lari ganz genau an: „Gehört Ihr denn auch zu seiner Familie?”, fragte er. „Ihr seht gar nicht wie ein richtiger Zwerg aus. Naja, die Größe stimmt ja schon, aber der Rest?!” „Nee”, antwortete Halblingsdame Lari, „ich gehöre nicht zur Familie. Ich muss da nur etwas abliefern. Aber danke noch mal für die Auskunft!”

Das Haus von Gump war leicht zu finden. Es handelte sich dabei um ein süßes, kleines Einfamilienhäuschen, vor dem zur Zeit etwa vierzig Zwergenkinder rumtoben. Naja, ein paar Erwachsene waren auch darunter. Die Heldentruppe wurde auch gleich freundlich begrüßt: „Hallo, bist Du unsere Tante? Du siehst gar nicht aus wie wir!” „Bist Du unser Onkel?” „Du bist ja gar kein Zwerg?” „Hey, wer bist Du?” „Was machst Du hier?” „Willst Du auch zum Fest?” „Bist Du die Frau von Onkel Glarmpf?” Naja, die üblichen Fragen eben, wenn man auf eine Horde Zwergenkinder stößt. Lari fand das ja ganz amüsant, war aber fest entschlossen, ihr eigentliches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: „Nein, ich bin nicht eure Tante. Ich suche Herrn Gump. Nein, auch keine Kusine. Kannst Du mir sagen, wo ich Herrn Gump finde. Ich bin ein Halbling, kein Zwerg. Aber ich muss jetzt wirklich zu Herrn Gump. Nein, eigentlich bin ich gar nicht mit euch verwandt. Ich muss nur bei Herrn Gump etwas abliefern. Ist der Herr Gump hier?” „Der ist bestimmt im Haus”, bekam sie dann auch irgendwann zur Antwort. „Geh einfach rein und frag da noch mal nach!” So etwas ließ Lari sich vielleicht zweimal, aber bestimmt nicht dreimal sagen und betrat das Haus. Sie klopfte noch mal höflich am Türrahmen, doch drinnen herrscht etwa genauso viel Chaos wie draußen.

Die anderen ließen sich aber anscheinend noch gerne draußen aufhalten. Aurus wurde besonders bestaunt. Er musste allen bestätigen, dass er auch wirklich ein Elf sei! Schlimm jedoch schien es Nindalf zu ergehen. Obwohl er selbst ein Zwerg war, hatte er für den kindlichen Übereifer so gar nichts übrig. Und dann wurde er auch noch von allen Seiten bestürmt mit Fragen nach seinem Verwandtschaftsverhältnis zu Meister Gump. Gar nicht mal so einfach, zu erklären, dass da gar kein Verwandtschaftsverhältnis bestand...

Im Haus fragte sich Lari weiter durch und wurde nach oben geschickt. Nach gar nicht mal soo langer Zeit fand Lari endlich dann auch Meister Gump und stellte sich vor. „Oh, richtig, die Bücher! Da hat wohl Vetter Gorm mal wieder eine Möglichkeit gefunden, sich vor dem Familienfest zu drücken. Und das schon im 8. Jahr!” „Was wird denn eigentlich gefeiert?” fragte Lari. „Na, das Frühlingsfest natürlich. Wollt ihr auch hier bleiben?” „Naja, wir sind auf dem Weg hierher von Räubern überfallen worden. Die Bücher haben ein wenig gelitten.” „Ach das macht nichts.” „Jetzt haben wir leider auch kein Geld mehr. Wisst ihr, wo wir vielleicht unter kommen könnten?” „Wie gesagt, ihr seid herzlich eingeladen. Ich hab zwar schon etwa sechzig Gäste, aber das meiste sind ja Kinder. Die nehmen nicht soo viel Platz in Anspruch! Das Haus ist ja auch groß!” Lari war fest davon überzeugt, dass in diesem Haus niemals sechzig Leute übernachten könnten, auch keine sechzig Zwergenkinder... Aber sie sagte: „Das ist wirklich sehr nett von Ihnen. Ich werde mal meine Kollegen fragen."

Nindalf wurde natürlich auch weiter von anderen Zwergen in Beschlag genommen. Er musste ganz genau erklären, woher er stammte, welche Gesteinszusammensetzungen dort herrschten und welche Erze dort zu finden seien. Anschließend musste er viele wichtige Fragen beantworten wie z.B.: „Wohnt da nicht auch Theo Schlagfest?”, „Kennst Du Meister Glürp aus Bertelsdorf?” oder „Bist Du vielleicht mit Orla Haudrauf aus Kupferspring verwandt?” Da er alle Fragen - und das waren wirklich eine Menge - mit nein beantwortete, wurde den anderen langsam klar, dass Nindalf mit gar keinem von ihnen verwandt war. Das eröffnete doch ganz neue Möglichkeiten! „Sag mal”, wurde er daher auch ganz unauffällig gefragt, „bist Du eigentlich verheiratet?” „Nein”, meint Nindalf, „ich bin doch auf der Wanderschaft, die zu meiner Ausbildung zum Ordenskrieger dazugehört.” „Na, so eine Wanderschaft ist ja ganz gut, um seinen Bart ein wenig die Welt zu zeigen. Aber Du bist doch sicherlich schon in dem Alter, in dem man eine gute Frau zu schätzen weiß.” Nindalfs Antwort: „Ja?” „Schau doch mal, dort hinten am Butterfass, siehst du dort das schöne Mädchen?” Nindalf schaute sich um, er sah dort zwar ein Zwergenmädchen, aber schön? „Das ist meine Tochter!” klärte man ihn auf. „Es wird langsam Zeit, sie zu verheiraten.” Nindalf konnte das irgendwie nachvollziehen. „Ich habe in Isenstedt übrigens eine eigene Schmiede, da könntest du dann als mein Schwiegersohn natürlich auch irgendwann Teilhaber werden.”

Nindalf dachte nach. Teilhaber von einer Schmiede, das war doch schon mal was. „Was hältst Du davon, wenn ich erst mal mit euch mitkomme und mir deine Schmiede anschaue. Ich kann ja nicht sofort heiraten, weil ich meine Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen habe. Doch was hältst du von einer etwas längeren Verlobungszeit. Das lässt sich bestimmt mit meiner Ausbildung vereinbaren.” Der andere Zwerg dachte darüber nach. „Hmm, Verlobungszeit. Das ginge schon. Aber zu lange sollte das natürlich nicht dauern. Meine Tochter ist jetzt wirklich auch in dem Alter, wo sie über Kinder nachdenkt. Und in meiner Schmiede ist viel zu tun.”

Während die Verhandlungen noch länger andauerten, beriet sich Lari derweil mit den anderen. Sie beschlossen, in dem Dorf nach Arbeit zu suchen, um sich einen Aufenthalt im Gasthaus zu finanzieren. Aber das ging alles irgendwie schief. Nur Lari hatte etwas mehr Glück, denn sie lernte eine Kräuterfrau kennen, mit der sie sich ein wenig austauschte und schließlich von ihr eingeladen wurde. Doch die anderen Helden beschlossen das Angebot von Meister Gump doch noch anzunehmen.

In der ganzen Stadt feierte man das Frühlingsfest und natürlich besonders heftig bei Meister Gump und seiner Familie. Während Nindalf noch ein wenig weiter mit seinem potentiellen Schwiegervater verhandelte, feierten die anderen Helden kräftig mit. Aurus, der Elf, war vom Zwergenbier erst sehr begeistert und dann sehr betrunken. Die Zwerge fanden das besonders witzig und trieben ihre Späße mit ihm. Hythorus trank ein paar Gläschen, hatte aber schnell genug von der Feierei. Er suchte sich in der ersten Etage des Hauses eine kleine Ecke, versteckte sich so gut es ging in seinem Schlafsack und genoss seinen Schlaf. Naima dagegen trank begeistert mit und schlief schließlich irgendwo unter dem Tisch ein.

Als Lari am nächsten Morgen zum Haus von Meister Gump kam, waren schon einige Zwergenkinder sehr munter und spielten vor dem Haus. Auch Nindalf war bereits wach und war mit irgendwelchen religiösen Ritualen beschäftigt. Dann fand sie den schlafenden Aurus, der ein leeres Bierglas im Arm hielt. Naima kroch langsam unter dem Tisch hervor, sah Aurus mit dem Bierglas und lief los, um sich in einem Blumenbeet zu übergeben.

Zwergenkind unter MagierhutFehlte also noch Hythorus. Ihn fand Lari oben im ersten Stock, wo er sich hingelegt hatte. Allerdings hatten sich zwei Zwergenkinder an ihn herangekuschelt. Ein niedliches Bild! Vorsichtig weckte sie Hythorus. Der fand das alles andere als niedlich und suchte seine Ausrüstung zusammen. Umhang, Rucksack und Zauberstab waren auch schnell gefunden, doch der Hut blieb verschwunden. Völlig entnervt weckte er die Zwergenkinder und stellte sie zur Rede. Doch die konnten ihm nichts über den Verbleib des Hutes sagen. Also begann er erneut zu suchen. Dabei weckte er natürlich die restlichen Zwerge, die sich über diese übertriebene Unruhe beschwerten.

Doch schließlich war es Lari, die den Hut entdeckte und Hythorus zeigte. Ein paar Zwergenkinder spielten draußen im Garten damit. Ein Kind hatte sich den Hut über den Kopf gezogen und lief damit recht unbeholfen herum, während die anderen es anfeuerten.

http://www.larisweb.de

nach oben
[ Home ] [ Regelwerk ] [ Karten Orotas ] [ Gruppen ] [ Bibliothek ] [ Hilfsmittel ] [ Rezepte ] [ Impressum ]
Kostenloser Counter Statistik