Heldentagebuch: Zwischenspiel

Das Kapitel "Zwischenspiel" erzählt nicht von einem großen Abenteuer, sondern von dem, was so zwischendurch passiert.

Dabei erfährt man allerlei über die Helden selbst: Hexen bilden sich weiter, Krieger heiraten und Magier üben sich im Liebreizzaubern.

Mit
Lari Fari, der Hexe
Belara, der Kriegerin
Hythorus, dem Magier
Naima, der Waldläuferin
Adrian Nordhäuser, dem Krieger
Tyll von der Linde, dem Schreiber
und
Volvo und Bözerin, den Worgs

Im Monat Rierge des Jahres 225

Lari in Glimmerbo

Berufliche Weiterbildung

Lari ging es ausgesprochen gut. Sie gönnte sich eine Pause von ihrem Abenteurerleben und hatte in Glimmerbo bei dem Apotheker Karl Merlinger eine Anstellung gefunden. Ihre Arbeit dort machte ihr Spaß, denn sie lernte viel über das Anrühren von Salben und Tränken. Für so etwas blieb ihr wenig Zeit, wenn sie auf Reisen war. Sie wusste, dass ihr Vagabundenleben – so schön es auch war – nicht ewig dauern konnte und träumte davon, sich eines Tages in einem kleinen Dorf als Heilerin niederzulassen. Sie hatte recht viel Erfahrung in der Heilkunde. Außerdem kannte sie sich aus mit Pflanzen im Allgemeinen und Heilkräutern im Speziellen. Fehlten dann nur noch vertiefende Kenntnisse der Alchemie.

Sicherlich würde sie recht vorsichtig sein müssen, was die Wahl eines solchen Dorfes betraf. Leider hatten ja recht viele Leute Vorurteile gegenüber Hexen. Manchmal störten diese dadurch erzwungenen ewigen Heimlichkeiten Lari ein wenig. Doch war ihr das Geheimhalten ihres Hexenseins schon so sehr zur Gewohnheit geworden, dass sie es sich auch gar nicht mehr anders vorstellen konnte.

Viele Dorfbewohner waren ja für ihre Abergläubigkeit bekannt. Nur zu gut erinnerte sie sich an das Schicksal von Yelanie D’Oranga. Sie war eine Hexenschwester aus ihrem Nachbardorf gewesen, in dem sie selbst groß geworden war. >> Naja, was für Halblinge als groß gilt... << Eine Krankheit hatte das Dorf heimgesucht. Die Menschen hatten unter heftigen Bauchschmerzen und –krämpfen gelitten. Viele starben. Doch da Yelanie, genau wie Lari, eine Halblingin war, hatte ihr die Krankheit nichts anhaben können. Wohl aber der Aberglaube der Dorfbewohner. Diese sahen, dass es Yelanie gut ging. Und sie wussten, dass sie eine Hexe war. Also zählten sie eins und eins zusammen und daraus kam dann der Scheiterhaufen. Yelanies Tod änderte nichts an den Auswirkungen der Krankheit. Später fand man den wahren Grund heraus: Das Brunnenwasser war vergiftet. Ein giftiges Tier war in den Brunnenschacht gestürzt und dort verendet.

Lari bemühte sich, an etwas anderes zu denken. Warum sollte sie sich auch ausgerechnet jetzt darum Sorgen machen? Glimmerbo war eine wunderbare Stadt, der Apotheker sehr freundlich und ihr Zimmer in Frau Isedors Pension immer sauber und gepflegt. Auch Volvo ging es offenbar ausgesprochen gut. Die Einwohner Glimmerbos waren so manches gewohnt. Da fiel ein Worg auch nicht weiter auf.

Einladung

Lari wäre gerne noch länger in der Stadt geblieben, doch dann erreichte sie eine Botschaft von Adrian und Belara. Diese waren in Luinmeach angekommen und hatten Adrians Eltern aufgesucht. Lari wusste ja, dass Adrian ein wenig unsicher gewesen war, wie er von seinen Eltern empfangen werden würde. Immerhin hatte er sein Elternhaus vor zwei Jahren heimlich verlassen, nachdem er sich vorher noch in der Waffenkammer seiner Eltern bedient hatte. Seine Eltern waren angesehene Bürger der Stadt Luinmeach und betrieben einen recht erfolgreichen Handel mit Waffen aller Art. Als Kaufleute hielten sie genauso wenig von Diebstahl, wie Wirtsleute von Zechprellerei. Aber Adrian hatte auch regelrechtes Heimweh gehabt. Daher war er fest dazu entschlossen gewesen, sich mit seinen Eltern auszusöhnen. Er war der einzige Sohn der Familie und fand, dass er seinen Eltern schon genug Kummer bereitet hatte. Hinzu kam seine neue Verantwortung für Belara und den erwarteten Nachwuchs. Mittlerweile war ihre Schwangerschaft nicht mehr zu übersehen. Lari war aufgefallen, dass Menschen eine enge Bindung zu ihren Kindern aufbauten. Offenbar war diese vergleichbar mit der zwischen einer Hexe und ihrer Schülerin.

Kurz und gut, Adrian war nach Luinmeach zurück gekehrt, hatte bei seinen Eltern angeklopft und ihnen Belara vorgestellt. Die Eltern waren sehr glücklich über die Rückkehr ihres verlorenen Sohnes gewesen und empfingen ihn und seine Verlobte mit großer Herzlichkeit. Angesichts Belaras Zustand bestanden sie aber auf einer baldigen Hochzeit. Und genau zu dieser war Lari nun eingeladen worden.

Offenbar war es Belara und Adrian sehr wichtig, dass Lari bei diesem Fest dabei war. Es schien, dass eine Hochzeit für Menschen eine ganz besonders wichtige Angelegenheit war. Also verabschiedete sich Lari von dem Apotheker, packte ihre Sachen und brach auf in Richtung Luinmeach.

Waeveloom, 21. Rierge 225

Zwischenstopp in Waeveloom

Unterwegs kam sie durch ein Dorf namens Waeveloom, in der gerade ein großes Fest stattfand. Sie war neugierig, was dort eigentlich gefeiert wurde. Da erfuhr sie, dass ein paar Kinder des Ortes sehr krank gewesen seien. Die Kinder hätten schon am Rande des Todes gestanden und nur dem mutigen Einsatz einer kleinen Heldengruppe sei es zu verdanken, dass sie hatten geheilt werden können. Lari hörte interessiert zu. Offenbar waren es Naima, Hythorus, Adrian und Belara gewesen, die hier so selbstlos eingegriffen hatten. Lari war mächtig stolz auf sie: Da hatten ihre Freunde wahrhaftig ein gutes Werk getan. Außerdem machte Lari Bekanntschaft mit einem jungen Mann namens Marius Schulte-Ostenhagen, der ein Lied über die Heldentat ihrer Freunde verfasst hatte. Davon musste Lari unbedingt den anderen erzählen. Sie wusste ja, wie eitel insbesondere Hythorus war. Ein Lied, dass von seinen Heldentaten rühmte, würde ihm bestimmt gefallen!

25. Rierge 225

Treffen in Luinmeach

Drei Tage vor der Hochzeit erreichte Lari Luinmeach. Sie war zum ersten Mal in dieser Stadt. Luinmeach gehörte dem Land Nialuin an. Von Adrian und Hythorus hatte sie schon viel darüber gehört. Offenbar waren die Städte dieses Landes durch eine Handelsgemeinschaft namens Hanse eng verbunden. Die Amtssprache dieses Landes war daher auch die Händlersprache, aber Hythorus und Adrian hatten ihr erzählt, dass Tell eben so weit verbreitet war. In den letzten Jahren war es zu einigen unangenehmen Vorfällen gekommen, daher hatte man in weiten Teilen des Landes den Bewohnern das Tragen von Waffen und das Ausüben von Magie strengstens verboten. In den Städten und Dörfern sorgten gut ausgebildete Stadtwachen für die Einhaltung dieser Gesetze. Waffen und anderes Kriegsgerät bis auf einfache Messer mussten der Stadtwache jeder Stadt oder jedes Dorfes gemeldet werden. Gegen Bezahlung konnte ein Besitzschein gültig für die Stadt oder das Dorf ausgestellt werden, der es erlaubte, die Waffen bei sich zu tragen. Doch auch solch ein Besitzschein erlaubte weder die Verwendung von Waffen, noch das Tragen derselben. Der Besitz von Schusswaffen war generell verboten. Ausnahmen erhielten Jäger, die zur Jagd auf einen Bogen angewiesen waren.

Nur den Mitgliedern der Gilde zu Luinmeach war das Ausüben der Magie erlaubt. Dieser Gilde gehörte auch Hythorus an. Er hatte ihr mal etwas über die Geschichte der Gilde erzählt: Die Hanse in Luinmeach hatte Jahrhunderte lang dafür gesorgt, dass nur Männer aus Nialuin der Gilde beitreten durften. Doch vor ungefähr 35 Jahren gelang es einem Ratsmitglied seiner Tochter Alicia Bogred einen Platz in der Gilde zu verschaffen. Sie verfügte über ein überaus großes magisches Potential und war zudem sehr ehrgeizig. So stieg sie rasch innerhalb der Gilde auf. Nach gerade mal 15 Jahren gelang es ihr, den Stuhl des Erzkanzlers einzunehmen. Lady Bogred, wie sie von nun an genannt wurde, formte die Gilde nach ihren Vorstellungen. Heutzutage galt die Gilde als Hochburg der sogenannten „weiblichen Magie“, die geprägt war durch eine starke Emotionalität und große Abneigung gegen jede Form der Brutalität und einfacher Gewalt.

Manchmal fragte sich Lari allerdings, wie Hythorus in diese Gilde passte. Sie selbst hatte schon gesehen, wie er Kampfmagie angewendet hatte. Außerdem wirkte er auf sie nicht gerade emotional. Es sei denn, er begegnete Toten oder gar Untoten. Da reagierte er dann meist übertrieben ängstlich.

Familie Nordhäuser

Das Haus der Nordhäuser, Adrians Familie, fand Lari ohne größere Probleme. Sie wurde dort überaus freundlich empfangen. Adrian und Belara wohnten dort und für Naima war ein Gästebett hergerichtet worden. Daher boten die Nordhäusers auch Lari an, bei ihnen so lange zu wohnen, wie sie wollte. Doch Lari hatte doch Gefühl zu stören. Mittlerweile waren auch andere Verwandte der Familie in Luinmeach angekommen und es wurde eng im Haus. Daher beschloss Lari, irgendwo in einer Herberge ein Zimmer zu mieten. Als Frau Nordhäuser davon hörte, äußerte sie ihr Bedauern, schien aber doch ein wenig erleichtert zu sein. Lari konnte das verstehen, die Hochzeitsvorbereitungen waren offenbar auch so schon recht umfangreich. Frau Nordhäuser empfahl Lari eine kleine Pension in der Nähe. Die Zimmer seien sehr ordentlich und gepflegt und die Wirtin, Frau Ferala Brutteg würde ihre Gäste mit einem sehr leckerem Frühstück verwöhnen. Und gleich nebenan gab es eine hübsche, ruhige Gastwirtschaft, die für ihre gute Küche bekannt sei. Als Naima davon hörte, schloss sie sich Lari an. Auf die Dauer war ihr das Haus der Nordhäusers wohl auch zu unruhig.

Hythe hatte sich in seiner Gilde einquartiert. Als er allerdings hörte, dass Lari in der Stadt sei, beeilte auch er sich, sie zu begrüßen. Adrian und Belara organisierten abends eine kleine Willkommensparty. Dabei bat Lari ihre Freunde, ihr etwas über ihr Abenteuer in Waeveloom zu erzählen. „Waeveloom?“, antwortete Adrian. „Das war doch das kleine Dorf mit den kranken Kindern. Woher weißt du denn schon wieder davon?“ „Na, ich musste doch auf dem Weg nach Luinmeach auch durch Waeveloom reisen“, antwortete Lari. „Dort seid ihr richtige Berühmtheiten. Ich habe sogar ein Lied gehört, in dem eure Heldentaten gerühmt werden!“ Die anderen waren ziemlich erstaunt. Aber irgendwie auch sehr stolz: Ein Lied ihnen zu Ehren, das war doch schon was!

Helden heiraten

26. Rierge 225

Junggesellinnenabschied

Die nächsten Tage waren zwar sehr schön, aber irgendwie auch stressig. Für den 26. hatten sich Naima und Hythorus schon etwas ganz besonderes überlegt. Offenbar gab es eine menschliche Tradition, nach der Braut und Bräutigam ein letztes Mal Gelegenheit erhalten sollten, über ihren Heiratswunsch nachzudenken. Dazu wurden sie voneinander getrennt. Lari, Naima und Lucille, Adrians Schwester, führten Belara in das Gasthaus „Zum goldenen Luchs“. Dort gaben an diesem Abend eine Gruppe junger Musikanten ihr bestes, die offenbar eine ganz besonders eindrucksvolle Wirkung auf menschliche Frauen hatten. Laris Gefährtinnen konsumierten zudem eine Menge alkoholhaltiger Getränke. Lari gab sich wie immer mit dem Genuss einer gut gestopften Pfeife zufrieden. Was auch besser so war, denn irgend jemand musste ja schließlich auf die anderen Acht geben. Wer weiß, wie weit Belara sonst noch auf der Bühne gegangen wäre. Als Lari sie von dort runterzog, war sie gerade dabei, die oberen Knöpfe ihres Rockes zu öffnen. Zuvor hatte sie sich bereits ihres Umhanges, ihrer Bluse und ihres Gürtels entledigt. Naima und Lucille waren für Lari keine große Hilfe. Lari meinte sogar beobachten zu können, wie Lucille ihre Lippen auf die eines jungen Mannes presste. Das diese Menschen auch niemals dazu lernten, bei so etwas konnten doch diese bösen Krankheiten übertragen werden, an denen Menschen ständig starben! Naima war in ein Gespräch mit einem Mann vertieft, der offenbar die Qualität ihres Blusenstoffes testen wollte, in dem er mit den Händen daran hoch und runter fuhr. Seltsam!

27. Rierge 225

Polterabend

Hythorus hatte für eine ähnliche Feier für Adrian gesorgt, bei denen unter anderem Adrians Vater und ein Cousin von ihm teilgenommen hatten. Denn als Lari am nächsten Mittag bei Familie Nordhäuser erschien, waren diese wohl gerade aufgestanden und kämpften mit ihren Kopfschmerzen. Sie taten Lari sehr leid, daher besorgte sie sich ein paar Kräuter und stellte daraus einen Tee her, der die heftigsten Symptome linderte.

Außerdem war für diesen Abend bereits die nächste Feier geplant. Zum sogenannten „Polterabend“ wurden die Nachbarn und Freunde der Nordhäusers eingeladen. Offenbar bestand der Sinn dieser Festlichkeit darin, sich vor dem Brautpaar hinzustellen, ein Stück Glas, Porzellan oder Steingut auf dem Boden zu zerdeppern und den Spruch „Scherben bringen Glück“ aufzusagen. Lari vermutete, dass es sich hierbei um eine Art religiöses Ritual handelte, mit dem ein Schutzgott um Segen für die Brautleute gebeten wurde. Weil sie keine Spielverderberin sein wollte, griff sie ebenfalls nach irgendeiner Vase, zerdepperte sie vor Adrian und Belara und sagte den Spruch auf. Doch dabei machte sie wohl irgend etwas falsch, denn die Brautleute warfen ihre einen regelrecht entsetzten Blick zu. Adrians Mutter fing an zu kreischen, wobei Lari nur die Worte „Ming“, „Dynastie“, „Katastrophe“ und „irreparabel“ verstand. Offenbar hatte Lari eine Göttin namens „Ming“ irgendwie beleidigt. Vielleicht durften ja nur Menschen diesen Zerdepper-Brauch ausüben. Was, wenn sie nun großes Unglück über Belara und Adrian gebracht hatte und ihrem Kind irgend etwas zustieße? Blind vor Tränen stürzte Lari aus dem Haus: Das hatte sie doch wirklich nicht gewollt!

Sie rannte so schnell ihre kleinen Beine sie tragen konnten in Richtung ihrer Pension. Doch auf halben Weg holte Hythorus sie ein. Er wollte sie trösten, doch Lari wehrte ab. Wie sollte sie jemals wieder gut machen, was sie getan hatte? Hythorus meinte, sie sollte das alles nicht so ernst nehmen. Die Nordhäuser seien anscheinend wohlhabende Leute und würden den Schaden schon irgendwie verschmerzen können. „Verschmerzen?“, fragte Lari. „Glaubst du, sie werden sich von dem Unglück bei der Ming-Göttin freikaufen können?“ „Freikaufen? Ming-Göttin?“, Hythorus starrte Lari überrascht an. „Wovon redest du da?“ „Na, von meiner Beleidigung dieser Ming-Göttin. Sie ist bestimmt ganz schön böse, weil eine Ungläubige dieses Ritual ausgeübt hat und wird Adrian und Belara bestrafen!“ Da fing Hythorus auch noch an zu lachen. „Was fällt dir eigentlich ein?“, fragte Lari. „Ich habe großes Unglück über Adrian und Belara gebracht. Und du lachst mich aus! Glaubst du etwa, ich hätte das mit Absicht gemacht?“ Dicke Tränen rannen über ihr Gesicht. Hythorus hörte sofort auf zu lachen und holte umständlich ein großes Taschentuch aus seinem Umhang. Dieses reichte er Lari und bat sie, ihm endlich mal zuzuhören. Das ganze sei ein Missverständnis. Keine Göttin sei verärgert worden. Die Vase sei ein sogenanntes Designerstück des Töpfers Leopold Ming gewesen. Sicher war sie recht teuer. Aber außer einem finanziellen Schaden, hätte Lari bestimmt kein großes Unglück über Adrian und Belara gebracht. Erleichtert atmete Lari auf und entschuldigte sich bei Hythorus für ihre Dummheit. Der winkte lachend ab und forderte Lari auf, zur Feier zurück zu kehren. Doch darauf hatte sie dann auch keine Lust. Und so kam es, dass Lari und Hythorus den Rest des Abends gemeinsam durch Luinmeach spazierten und sich gegenseitig peinliche Geschichten aus ihrem Leben erzählten.

28. Rierge 225

Die Hochzeitsfeier

Endlich war der Tag der Hochzeit gekommen. Weder Belara noch Adrian gehörten einem Götter-Kult an und hatten sich daher für eine rein weltliche Zeremonie entschieden. Da Adrian einer Händlerfamilie angehörte, war ein Vertreter der Hanse eingeladen worden, der die Hochzeitsformeln gemeinsam mit den Brautleuten sprechen sollte. Lari war mächtig beeindruckt, von den prächtigen Kleidern, die die Hochzeitsgäste trugen. Auch ihre Freunde Naima und Hythorus hatten sich richtig schick gemacht. Sie selbst trug ein knöchellanges Kleid aus schwerem, schwarzem Samt und schwarzen Spitzenborden. Naima hatte ihr bei der Auswahl geholfen. Doch am allerschönsten war Belara. Sie hatte ein wundervolles blaues Kleid mit einem weiten Reifrock gewählt. Gefertigt war es aus feinster Seide. Dazu trug sie einen Spitzenschleier in ebensolcher Farbe. Lari war total begeistert und konnte der Zeremonie gar nicht recht folgen. Die Menschen hatten doch manchmal recht hübsche Bräuche!

Nach der Zeremonie folgte dann das Hochzeitsfest. Es war wundervoll. Belara und Adrian strahlten, das Essen schmeckte köstlich und die Musikanten spielten zum Tanz auf. Und am Abend folgte dann eine regelrechte Sensation: Hythorus hatte bei den Alchimisten ein Feuerwerk bestellt, dass den Himmel in den unterschiedlichsten Farben erstrahlen ließ. Wahnsinn!

Von irgendwelchen Hochzeitsbräuchen hielt Lari sich allerdings fern. Wer weiß, was man da alles falsch machen konnte...

29. Rierge 225

Zukunftspläne

Am nächsten Morgen saßen Lari und Naima in ihrer Pension am Frühstückstisch und dachten über die Zukunft nach. Es war klar, dass ihre bisherige Abenteurergruppe so nicht weiter bestehen würde. Belara und Adrian waren sesshaft geworden. Und auch Hythorus wollte noch ein paar Wochen in der Stadt bleiben, um in seiner Gilde zu lernen. Aber weder Lari noch Naima fühlten sich hier so richtig wohl. Lari schlug eine Reise in die Vinge vor. Sie hoffte ja noch immer darauf, eines Tages BamBam wieder zu treffen. Und außerdem hieß es ja immer, dass Reisen bildete. In der Vinge war Lari noch nie gewesen und alles war bestimmt besser als das Rumhängen in irgendeiner Stadt. Naima stimmte dem zu. Und so kam es, dass Lari und Naima beschlossen acht Tage später abzureisen.

Als sie abends Hythorus von ihren Plänen berichteten, gab der sich enttäuscht. Offenbar hatte er gehofft, dass Naima in der Stadt auf ihn warten würde, bis er mit Lernen fertig sei. Eine solche Reise konnte ja recht lange dauern und es war daher nicht abzusehen, wann sie einander wieder sehen sollten. Wie es dazu kam, war Lari auch später noch unerklärlich. Aber Naima und Hythorus gingen fast plötzlich viel netter und inniger miteinander um, als je zuvor. Sie feierten ihren Abschied reichlich intensiv, wie Lari fand. Vor allem tiefe Blicke in die Augen und gegenseitiges Hände streicheln schienen dazu zu gehören. Lari fühlte sich in ihrer Gegenwart irgendwie ein wenig überflüssig. >>Naima fand Hythorus plötzlich netter und attraktiver als je zuvor. Das lag allerdings weniger an seinem umwerfendem Charme, als vielmehr an seiner Magiebegabung. Er hatte nämlich seinen Lieblingsspruch „Allokams Liebreiz“ angewendet. Aber davon ahnten Naima und Lari nichts. <<

30. Rierge 225

Einkäufe

Mit Naima war während der nächsten Tage nicht allzu viel anzufangen. Ständig laberte sie von Hythorus und seinen geistigen wie körperlichen Vorzügen. Um dem irgendwie zu entgehen, nutzte Lari die Zeit zum Einkaufen. Bei einem Schneider bestellte sie zwei neue Garnituren schwarzer Kleidung. Sowohl ihre Reise- als auch ihre Ausgehfeinkleidung war mittlerweile etwas abgenutzt und angegraut. Als nächstes suchte sie einen Krämer auf, der Kochgeräte verkaufte. Bei der Reise nach Luinmeach war ihr ein Topf auf einen Felsblock gefallen und wies nun eine hässliche Beule auf. Das musste ja wohl nicht sein. Neben einem neuen Topf gelang es ihr außerdem ein paar leckere Küchenkräuter zu erwerben, immerhin war die Auswahl der richtigen Zutaten ausschlaggebend für eine gelungene Mahlzeit.

Bei ihren Besorgungen entdeckte Lari einen Halblingshändler namens Ringel Natz. Sie betrat den Laden und war gleich begeistert. Einerseits war der Laden recht geschmackvoll eingerichtet und verfügte über eine recht gute Auswahl an Handelswaren. Und andererseits waren die Verkaufstheke und die Regale auch in der richtigen Höhe angebracht. Selbstverständlich fragte sie gleich nach Halblingstabak. Tatsächlich verfügte Ringel Natz über eine recht gute Auswahl und so kamen die beiden miteinander ins Geschäft. Wie immer, wenn zwei Halblinge in einer Menschenstadt aufeinander treffen, nutzten sie die Gelegenheit für ein ausgiebiges Gespräch über die augenblickliche Wirtschaftslage, über gutes Essen und das Wetter. Da öffnete sich hinter der Theke eine Tür und ein Mann betrat den Raum. Dabei hatte er ein paar Pergamentblätter und unterhielt sich kurz mit Ringel Natz. Offenbar ging es um irgendeine Preisliste. Neugierig betrachtete ihn Lari, um herauszufinden, zu welcher Rasse dieser wohl gehörte. Ihr fiel auf, dass er sowohl menschliche als auch elfische Züge trug. Sollte es sich etwa um eine Art Mischling handeln? Oder vielleicht eine Rasse, die Lari noch nicht kannte?

Schwarz in schwarz

Einen Tag später konnte Lari ihre neue Kleidung bereits abholen. Der Schneider hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Alles saß tadellos. Stolz zeigte Lari Naima ihre neue Kleidung. Die zog sie ein wenig damit auf: „Ich kann mich kaum entscheiden, was besser bei dir aussieht. Die eine Bluse ist ja aus wirklich hübschen schwarzen Stoff. Andererseits passt das Schwarz der zweiten Bluse sehr gut zu deinen Haaren. Aber sicherlich kannst du beide Blusen mit den beiden neuen schwarzen Hosen kombinieren. Vielleicht solltest du aber doch noch etwas Abwechslung in deine Garderobe bringen. Ein elegantes, schwarzes Halstuch würde doch recht gut passen!“ Lari nahm den Spott sehr gelassen auf. Waldläuferinnen ahnten eben nichts vom echten Hexen-Schick!

31. Rierge 225

Tyll von der Linde

Abends trafen sich die beiden wieder mit Hythorus in der Schänke. Er erzählte ihnen, dass er zur Zeit einen unheimlich interessanten Spruch erlernen würde. Dazu brauchte er offenbar mächtig viel Papyrus und Tinte. Das war aber auch alles, was Lari an dem Gespräch auch nur halbwegs interessant fand. Ansonsten führten Hythorus und Naima ihr Schäkerspielchen weiter und Lari sah sich gelangweilt um. Zu ihrer Überraschung entdeckte sie ein bekanntes Gesicht: da saß der Schreiber aus Ringel Natz’ Geschäft bei einem Glas Bier. Sogleich erzählte Lari ihren Freunden von ihm. Irgendwie musste man die beiden doch voneinander ablenken können! Und richtig, sie hatte Erfolg: Hythorus sah sich den Fremden neugierig an: „Hmm, sieht fremdartig aus. Kennst du die Rasse? Für einen Menschen sind die Ohren eindeutig zu spitz, aber für einen Elfen hat er merkwürdig harte Gesichtszüge.“ „Ich weiß es nicht“, antwortete Lari. „Am besten wäre es wohl, du fragst ihn selbst danach!“ Hythorus nickte zustimmend. Freundlich wie immer ging er auf den Fremden zu und lud ihn zu sich und den anderen auf ein Bier an den Tisch ein. Der Fremde nahm die Einladung an und sie unterhielten sich ein wenig miteinander. Und so erfuhren sie, dass er Tyll von der Linde heiße und Übersetzer von Beruf war. Zur Zeit sei er auf Reisen, um sich die Welt anzusehen. Dabei verdiene er sich seinen Unterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Doch Hythorus’ dezenter Andeutung, er könne Tyll gar nicht so recht einer bestimmten Rasse zuordnen, wich Tyll recht geschickt aus. Und die anderen fanden es dann doch zu unhöflich, da noch weiter nachzubohren.

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