Geschichten Orotas

Die Schlacht der Acht

Eine der vielen unergründlichen Geschichten Selocs ist die Sage von der „Schlacht der Acht“.

Vor langer Zeit verbreiteten zahlreiche Räuberbanden Angst und Schrecken in Po Sucha und Roz-Kosch. Ständig wurden Karawanen überfallen und die Kaufleute klagten über die Überfälle, zu hohe Steuern, zu hohe Löhne und die Orotawirtschaftskrise im Allgemeinen.

So trafen sich die Stadtoberen der neun größten Städte der Wüstenländer in Al Pleita und berieten, was zu tun sei. Nach sieben Monaten nervenaufreibender, zäher Verhandlungen einigte man sich darauf, die Räuberbanden zu bekämpfen. Im ganzen Lande herrschte große Freude und Erleichterung, dass den Verbrechern nun endlich das Handwerk gelegt würde. Die Verhandlungen dauerten allerdings derart lange und waren so kostspielig, dass der Kalif von Al Pleita den Staatsbankrott erklärte und mit seinen wenigen persönlichen Habseligkeiten nach Bawul zog, was vor allem die 120 Sklaven verstimmte, welche die Goldkisten schleppen mussten. Auch der Rest der Bewohner verließ die Stadt, und Al Pleita zerfiel zu Staub. Das ist im Grunde für die Geschichte zwar völlig unwichtig, doch wäre die Sage ja sonst als die „Schlacht der Neun“ überliefert worden.

Etwa vier Jahre später fiel der Händlergilde von Al Achwas das Abschlusskommuniqué der Konferenz in die Hände. In diesem stand zu lesen, dass die unterzeichnenden Städte sich beim Vorgehen gegen die Räuber militärische, organisatorische und sogar moralische Unterstützung versprachen. Nachdem die Händlergilde in den letzten zwei Jahren vergeblich um Steuersenkungen für mittelständische Unternehmen gekämpft hatte, wandte man sich nun wieder dem Räuberproblem zu und forderte sogar vom Kalifen sofortiges Handeln gegen die Karawanenüberfälle. Der Kalif zeigte großes Verständnis für die Nöte der Kaufleute und verwies sie an seinen ersten Wesir. Der Wesir verhandelte drei Stunden mit den Vertretern der Gilde bis er feststellte, dass es diesmal um Räuber ging und nicht um seine Steuereintreiber. Als ihm dieses bewusst wurde, schickte er die Vertreter der Gilde zum zweiten Wesir der Stadt, der als Experte in Sicherheitsfragen galt. Auch dieser war sofort von der Dringlichkeit der Sache überzeugt, dass es doch wohl das Beste wäre, wenn die Gilde sich doch direkt mit dem Kommandanten der Stadtwache in Verbindung setzen würde. Doch dieser war bis auf weiteres auf Dienstreise.

So wäre die Sache fast im Sande verlaufen, wie die Karawanenführer so sagen. Allerdings war just in dieser Woche ein junger Mann namens Abdul Dull zum Sekretär des stellvertretenden Kommandanten der Stadtwache ernannt worden. Abduls erste Amtshandlung war, an die Bürotür „Sekr. d. stellv. Kom. d. St.W.“ zu schreiben (ja, Abdul konnte sogar schreiben). Damit wurde den Bürgern von Al Achwas (natürlich nur denjenigen, die Lesen konnten) zum ersten Mal bekannt, dass es dieses Amt überhaupt gab. Der „stellv. Kom. d. St.W.“ ging daraufhin erst einmal in Urlaub.

So tauchten dann eines Tages fünf prächtig gekleidete Gestalten im Büro von Abdul Dull auf und überzeugten ihn von der Notwendigkeit, endlich etwas gegen die Räuberbanden zu tun. Und noch ehe er erklären konnte, dass er ja nur der Sekretär sei, hatten ihn die wichtigen und prächtigen Herren schon so ein atemberaubenden Trinkgeld gegeben, dass er das Missverständnis nun auch nicht mehr richtig stellen wollte.

So machte sich Abdul Dull auf den Weg in die anderen Städte, um die vereinbarte Unterstützung im Kampf gegen die Räuber zu erbitten. Und tatsächlich wurde ihm auch jegliche moralische Unterstützung gewährt. Als er jedoch Truppenunterstützung anforderte, meinten die dortigen Rechtsexperten, dass dieser Passus im Vertrag doch etwas unklar formuliert wäre und dass Truppen im eigentlichen Sinne doch wohl kaum gemeint gewesen sein könnten. Doch Abdul Dull war ein gewiefter Verhandlungsführer und schaffte es, aus jeder der sieben anderen Städte einen Kämpfer zu bekommen. Irgendwie scheint es in jeder Stadt jemanden zu geben, auf den man getrost verzichten kann. Lediglich aus Al Achwas kam keine Unterstützung, da jeder Zuständige abwesend und jeder Anwesende nicht zuständig war.

So entschloss sich Abdul Dull, selbst mit in die Schlacht zu ziehen. Acht Helden zogen in die Wüste, töteten in einer riesigen Schlacht über 1000 Räuber und kehrten siegreich in ihre Heimatstädte zurück. Sie wurden geehrt, gefeiert, mit Gold überhäuft, mussten nie wieder kämpfen oder arbeiten und lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Den acht Helden wurden in jeder der acht Städte ein Denkmal gesetzt, und bis zum heutigen Tag wird der Jahrestag der Schlacht gefeiert.

Damit endet die Geschichte unserer Helden und eigentlich waren alle froh und glücklich. Lediglich einige Statistiker und andere Miesmacher behaupteten, dass sich die Zahl der Karawanenüberfälle eigentlich gar nicht geändert hätte. Einige Jahre später stellten dann ein paar arbeitslose Geschichtslehrer fest, dass sich die Geschichte der Acht, wie denn die Schlacht abgelaufen sei, bis aufs kleinste Detail unterscheiden und dass kein einziger auch nur halbwegs erklären konnte, wie sieben mäßige Krieger und ein Sekretär 1000 Räuber hätten besiegen können. Alles in allem blieb bis heute unklar, wie, wann, wo und ob überhaupt die Schlacht der Acht stattgefunden hat.

Nach wie vor findet jedoch in jeder der acht Städte ein großes Fest in Erinnerung an diese ruhmreiche Schlacht statt. Da jedoch auch das Datum der Schlacht noch immer ziemlich unklar ist, feiern die Städte ihr Fest an verschiedenen Tagen. Die Feiern dauern jeweils drei Tage und es gibt Festessen und Getränke gratis bis zum Umfallen. Da alle Feiern in den acht Städten aber innerhalb eines Monats stattfinden und die acht Städte auch nicht allzu weit auseinander liegen, ist es dem reisenden Abenteurer bei geschickter Reiseplanung möglich, einen Monat lang ohne Geld erstklassig zu leben. Nur Statistiker und Geschichtslehrer sind immer noch sehr ungern gesehen.

Bei diesen blendenden Aussichten für die Abenteurer erscheint die Frage nach dem wie, wo, wann und ob überhaupt dann doch reichlich irrelevant.

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Textquelle: Uuurs-Regelwerk "Der Drachensturm" (siehe Linkliste)
Autor: Christian Geißler
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