Geschichten Orotas

Expedition zum Rüthpol oder: Die fünfte Himmelsrichtung

Wie alle vernünftigen Welten benötigt Orota vier Himmelsrichtungen. Nichts desto trotz gibt es auf Orota fünf davon. Die fünfte heißt rüthwärts oder kurz rüther. Vor allem in der Seefahrt ist rüthwärts von großer Bedeutung. Sagt beispielsweise ein Kapitän zu seinem Steuermann »10 Grad rüther«, so bedeutet das soviel wie »Ich hab’ nicht die geringste Ahnung, wo wir uns hier befinden. Aber lass dir um Himmelswillen nichts anmerken, oder die Mannschaft macht Captainsdinner aus uns.« Antwortet dann der Steuermann »Aye, aye, Sir«, heißt dies »Du dummer Idiot, sieh zu, dass du uns aus der Scheiße ziehst.«

Während unter Schiffsoffizieren rüther eher eine Bezeichnung ist, die dazu dient, die eigene Inkompetenz zu überdecken, gibt es auch ernsthafte Wissenschaftler, die sich mit der fünften Himmelsrichtung beschäftigen.

So gab es eine Expedition zum Rüthpol, die aber leider gescheitert ist. Am Ende behaupteten die Forscher, sie hätten zwar nicht den Rüthpol entdeckt, aber immerhin den magnetischen Rüthpol. Das galt in Fachkreisen jedoch als eher schwaches Argument, da Magnetismus auf Orota völlig unbekannt ist.

Viele meinen, rüther sei nur den Elfen bekannt, aber keiner traut sich zu fragen. Einige sind der Meinung, die Hartschaligen hätten rüther erfunden. Allerdings gilt dies als höchst unwahrscheinlich, denn kein Käfer hätte sich solch einen blöden Namen ausgedacht.

Die religiöse Splittergruppe der „Rüthäisten“ glaubt, rüther sei keine Himmelsrichtung, sondern ein prähistorischer Gott, der Orota geschaffen hat. Andere wenden jedoch ein, man könne nicht einem allein die Schuld geben.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern (andere nennen sie „durchgeknallte Magier“) vertritt die These, das Universum funktioniere sowieso nur in 7, 16 oder 33 Dimensionen und von daher seien fünf Himmelsrichtungen eher sparsam.

Dagegen kennen die Borks nur zwei Himmelsrichtungen: hin und zurück.

In Wirklichkeit ist die Rüthertheorie wesentlich komplizierter als es sich die Leute auf Orota vorstellen. Auf jeder magischen Welt haben Ego und Charisma eine herausragende Bedeutung. Nur wer fest an seinen Zauber, sein Wunder oder seine Steuererklärung glaubt, kann auch mit einer gelungenen Aktion rechnen. Daher zeigt rüther immer auf das Lebewesen mit dem größten Ego (in der Regel also auf den SL). Wer sich für wichtig hält, bewegt sich nicht, sondern lässt andere zu sich kommen. Das ist notwendig für die Stabilität der Welt. Rüther ist nämlich die einzige Konstante im gesamten Universum (r » 42). Bewegt sich der wichtigste Mensch der Welt, so ändern sich damit auch die Himmelsrichtungen. Aus diesem Grunde enden wichtige Kriege auch oft in Eiszeiten, was wiederum die tiefe Logik des Universums beweist.

So wird auch klar, warum sich Reisende auf Orota so oft verirren. Es waren wichtige Reisende. Durch einzelne reisende Wichtigtuer können immer wieder lokale Schwankungen auftreten.
So entstehen auch die Jahreszeiten dadurch, dass sich die wichtigsten Herrscher im Sommer in ihrer Sommerresidenz und im Winter in ihrer Winterresidenz aufhalten. Sobald sie mit ihrem Unsinn aufhören würden, hätte Orota das ganze Jahr über ein angenehmes Klima.

Ein anderes Problem ist, dass Ego den Raum krümmt. Da sich alle denkende Wesen furchtbar wichtig fühlen, ist Orota eine Kugel. Zur Zeit der wesentlich mehr auf Gemeinwohl eingestellten Hartschaligen war Orota dagegen eine Scheibe. Übrigens ein Grund mehr, warum die Hartschaligen alle anderen Lebewesen nicht mögen.

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Textquelle: Uuurs-Regelwerk "Der Drachensturm" (siehe Linkliste)
Autor: Christian Geißler
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