Geschichten Orotas

Die Plage der Amazonen

Espera
Espera: Heimat der Amazonen

Als die ersten Amazonen auf Espera landeten, um dort eine neue Heimat zu gründen, war die Insel ohne intelligente Bevölkerung, nur Tiere und Pflanzen aller Art lebten hier. Diejenigen Amazonen, die von der monatelangen Irrfahrt nach Espera (Karte rechts) die Nase voll hatten vom Meer, siedelten im dichten Urwald von Espera. Die übrigen Amazonen hingegen ließen sich in der Steppe nieder, wobei auch etliche Küstenorte gegründet wurden, um immer einen Blick auf mögliche Eroberer zu haben.

Die Steppenamazonen züchteten Nutztiere, unter anderem auch Pferde, die Ava in ihrer unendlichen Weisheit bereits auf Espera angesiedelt hatte.

Die Waldamazonen züchteten Nutzbäume für ihre Plantagen. Beide Stämme aber beschäftigten sich auch damit, Pflanzen und Kräuter anzubauen, von denen es ursprünglich auf der Insel nicht so viele gab. Tnarb, Eknök, Knarks und vieles mehr züchteten sie weiter, damit sie der Inselerde angepasst würden.
Es wurde zu einer Art Wettkampf unter den beiden Stämmen, wer die besten und resistentesten Pflanzen züchtete. So wogte der „Zuchtkampf“ über Monate und es wurde untereinander geprahlt, dass die Wolken erzitterten.

So geschah es eines Tages, dass bei den Steppenamazonen über Nacht ganze Kräuterbeete vernichtet wurden. Der Boden war zerwühlt und sah so aus, als ob die Pflanzen wie Unkraut weggezupft worden wären, nur ein paar Blätter lagen noch hier und dort.

Die erbosten Steppenamazonen hielten eine Vollversammlung ab. Die Stimmung war aufgepeitscht ob solchen Frevels. Die Hohepriesterin Camilla hielt einen Tanz ab, um die Göttin Ava zur Versammlung hinzu zu bitten, damit die Versammlung vollzählig und gesegnet sei. Mater Lyssa befragte Zeugen und Gärtner. Doch keiner hatte etwas gesehen oder gehört. Nur ein kleiner Passer namens Periplas behauptete, dass er einige Scintillas der Waldamazonen gesehen hätte, die sich an den Beeten zu schaffen gemacht hätten. Sie seien von Moira, der Tochter der Mater des Clans Referee, der genau am Waldrand wohnt, angeführt worden.

Einige Steppenamazonen hatten zwar den Verdacht, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte zwischen der Anklage und einem Streit zwischen Moira und Periplas. In diesem Streit ging es darum, dass Moira Periplas einen wunderschönen Ball, den er von seiner Mutter geschenkt bekam, weggenommen hatte. Diese Tat sei am Waldrand geschehen, wo er mit anderen Jungen Ball spielte. Periplas hatte Zeter und Mordio geschrieen, während Moira gelacht hatte, auf einem Baum verschwand und ihm die Zunge herausstreckte. Weinend lief er zur Mutter und klagte sein Leid. Aber seine Mutter hatte für sein Wehklagen nicht so viel Verständnis und so lief er zu seinem Vater Arithme. Der hatte sehr viel Verständnis aber keine Ahnung, wie man ihm helfen könnte. Seinen Ball bekam er nicht wieder zurück.

Zurück zum zerstörten Kräuterbeet: Die Versammlung hörte ihm zu und empfand Erleichterung, dass man ihr einen Schuldigen präsentierte. Sofort nach der Anhörung wurde eine Delegation auserkoren, um zu dem Clan der Referee zu gehen und ihn zur Rede zu stellen. Vier Amazonen machten sich auf dem Weg zur Mater Geopatha vom Clan der Referee.

Diese war sehr überrascht von dem Besuch und erzürnt über die Anklage. Sie wies sie zurück mit dem Hinweis, die Gastfreundschaft mit dieser Schuldzuweisung verletzt zu haben. Die Delegation solle sofort wieder zurückkehren, sonst würde diese Sache weite Kreise ziehen. Daraufhin zog sich die Delegation tatsächlich zurück und zu Hause angekommen wurde Kriegsrat gehalten. Camilla tanzte, um die Weisheit der Göttin auf ihrer Seite zu haben.

Der Rat kam zu dem Schluss, nun ihrerseits eine Zerstörungstruppe zu aktivieren und zu den Referee zu schicken. Die Truppe kam auch noch in derselben Nacht, in der sie losgeschickt worden waren, erfolgreich zurück. Die Anführerin der Truppe jedoch vergaß aber zu erwähnen, dass sie die Beete schon zerstört vorgefunden hatten. Es war für sie natürlich schöner, als Heldinnen gefeiert zu werden.
Nun geschah es aber gleichzeitig, dass Arithme einen Verdacht seinen Sohn betreffend hatte, der ihn dazu brachte, die übriggebliebenen Beete der Steppenamazonen zu bewachen. Er trommelte seinerseits ein paar Passer zusammen. Sie verbargen sich im Busch und wechselten sich bei der Wache ab. Und in der Morgendämmerung war tatsächlich etwas da gewesen, aber keiner der Passer hatte es genau erkennen können. Die Wesen waren sehr schnell und sehr viele. Jedenfalls waren keine Pflanzen mehr da, als die Wolken von Sand und aufgewühlter Erde sich wieder legten. Arithme wusste nicht, was er tun sollte, denn in derselben Nacht war die Zerstörungstruppe zu den Referee unterwegs. Er ging also zu seiner Gefährtin und berichtete das Gesehene. Diese aber belächelte ihn und glaubte, dass er sich nur mal wieder wichtig machen wollte.

So kam es zu dem unglaublichen Geschehen, dass Arithme sich daran machte, eine derart ausgefeilte Falle zu bauen, die zu beschreiben zuviel Arbeit wäre (aber man kann sie in allen gut ausgestatteten Bibliotheken nachschlagen, na ja, wenn man viel Glück hat). Seit diesem Tag gibt es unter den Fallenstellern unter den Amazonen das geflügelte Wort »Arithme sei mit dir«, wenn sie sich an ihre Arbeit machen.

Amazonenkriegerin
Amazonenkriegerin

In der Zwischenzeit wurde jedoch der Clan der Referee sehr, sehr böse, weil sie den Verdacht hatten, dass die Steppenamazonen selbst die Zerstörer der Beete waren. So rüsteten beide Stämme zum Krieg, der zum Krieg zwischen allen Steppen- und Waldamazonen wuchs.

Der kleine Periplas bekam indessen heftige Gewissensbisse, denn er wollte auf keinen Fall Verursacher für einen Krieg sein. Und das alles wegen eines Balles… Und so übel war Moira nun doch nicht. Nur ein wenig stürmisch und unüberlegt. Aber er hatte auch Angst vor den Folgen einer Beichte. Er lag lange wach in seinem Bett.

Sein Vater Arithme hatte in der Zwischenzeit seine Falle fertiggestellt und an einem der wenigen übriggebliebenen Beete postiert und hielt Wache.
Am nächsten Morgen hatte sich der kleine Periplas zur Ehrlichkeit durchgerungen und suchte Mater Lyssa auf. Dort hielt sich auch sein Vater auf, der seine Falle vor die Füße der Lyssa stellte. In der Falle saßen drei Toadies; man konnte sie nicht sehr gut erkennen, weil sie sich zu schnell im Käfig bewegten, aber es waren eindeutig Toadies. Arithme erklärte Lyssa die Sachlage. Seiner Meinung nach hatten die Toadies großen Gefallen an dem neuen Fressen gefunden, so dass sie allnächtlich davon naschten. Und es gab sehr viele Toadies auf der Insel.

Der große Rat aller Clans wurde berufen, um die Lage zu besprechen. Es herrschte am Anfang eine sehr eisige Stimmung, wobei einige Clans sich sogar weigerten, an dem Treffen teilzunehmen. Zum Glück löste sich diese Atmosphäre immer mehr im Laufe der Gespräche (außerdem verteilte Lyssa an die Anführerinnen der Clans jeweils einen Toadie – und man weiß ja, wie Frauen auf kleine, weiche, flauschige, buschige Nagetiere mit Stummelschwänzchen reagieren…). Nach langem Hin und Her kam man zu dem Schluss, die Streitigkeiten beizulegen und die Kräuter nun so zu züchten, dass die Toadies sie nicht mehr mögen würden (und deshalb mögen auch die meisten Amazonenkinder keine Medizin, sie schmeckt in der Tat abscheulich).

Nun wandte man sich dem Problem zwischen Periplas und Moira zu. Man kam zu dem Schluss, dass man die Streithälse einfach miteinander verheiratete (zur Strafe, so!). Natürlich hätten sie sich leicht wieder trennen können, aber diese Partnerschaft hielt doch tatsächlich fürs Leben, was doch etwas außergewöhnlich ist für die manchmal launischen Amazonen. Heute ist man der Meinung, dass dieser ewige Bund fürs Leben doch etwas sehr modern ist. In Gedenken an dieses Paar schuf irgendeine Amazone dann eine Amulett, das einen Toadie zeigt, unter dessen Bild Periplas und Moira abgebildet sind. Auf der Rückseite dieses Amulettes sind dann folgende Worte eingraviert: »Lüge und stehle nicht, du weißt nicht, welche Folgen das haben kann…«

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Textquelle: Uuurs-Regelwerk "Der Drachensturm" (siehe Linkliste)
Autor: Tatjana von Heimburg
Bild "Amazonenkriegerin" von Dirk Sitte
Landkarte von Stefan Klocke
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