
Die Lemuryer sind ein altes Volk, das seinen Ursprung eigentlich auf dem
untergegangenen Inselkontinent Lemuron hatte, der auf Orota nicht mehr zu
finden ist.
Die Lemuryer werden etwa 180 bis 200 cm groß und haben einen schlanken
und hageren Körper, der mit längeren Extremitäten ausgestattet
ist, als es bei Menschen und Elfen gewöhnlich der Fall ist. Weiterhin
fällt an ihnen ihr meist kahler Kopf auf. Das heißt aber nicht,
dass den Lemuryern keine Haare wachsen würden.
Alle staatlichen Würdenträger (Priester verschiedener Rangstufen
außer dem Militärwesen) haben geschorene Köpfe, nur das
gemeine Volk behält einen geflochtenen Haarzopf, der bis zu den Schultern
und bei den Frauen auch darüber hinaus reichen kann.
Die Lemuryer gehören zu den ältesten Kulturvölkern überhaupt
auf Orota und entwickelten im Verlauf ihrer mehr als zehntausendjährigen
Geschichte hypnotische sowie kleinere telekinetische und magische Fähigkeiten.
Diese sind zum Teil auch angeboren und werden nur von den Priestern speziell
gefördert und trainiert, während sich das Militär hauptsächlich
auf seine Technik verlässt. Ab und an greifen aber auch sie auf die
Fähigkeiten der Priester zurück.
Von besonderer Bedeutung ist die Telepathie, die sie zur Kommunikation untereinander verwenden und bei Nichtlemuryern in Kombination mit der Hypnose zum Tragen kommt (Spionage, Verhöre, Willen des Gegenübers ändern, ...).
Neben dem Kopf fallen die Augen auf, die größer als bei Menschen und Elfen sind sowie ihre blasse Hautfarbe, die bei jungen Lemuryern leicht weiß-bläulich wirkt, bei älteren dagegen immer bleicher wird. Als alte Rasse werden die Lemuryer zwar recht alt (110-130 Jahre) und erweisen sich aufgrund ihres wissenschaftliche Wissens gegenüber vielen Krankheiten als sehr resistent, doch bekommen sie aufgrund ihrer isolierten Lage und des geringen Blutaustausches zwischen ihren Gemeinden gerade einmal so viel Nachwuchs, dass ihre Bevölkerungszahl konstant bleibt.
Ihnen eigen ist ein fast überheblicher Stolz auf die eigenen Kulturleistungen (Technik, ausgeklügelte Stadtplanung, Bewässerungskanäle, Straßenbau, Wissenschaft), der gegenüber fremden Kulturen, insbesondere wenn es sich dabei um jüngere handelt, gerne auch die Grenze zur Arroganz hinter sich lässt.
Wie erwähnt zählen die Lemuryer zu den ältesten Rassen,
die eine erstaunlich hohe Kultur zu einem recht frühen Zeitpunkt entwickelt
hat (nach ihren eigenen Chroniken vor etwa 35.000 Jahren). Das Alte Reich
der Lemuryer eroberte den heimatlichen Inselkontinent (35.000-31.000). Von
ihrem Heimatkontinent Lemuron aus expandierte das Mittlere Reich auf die
gegenüberliegenden Küstengebiete und unterwarf erste Völker
außerhalb des eigenen Kontinentes (31.000-29.500). Das nach inneren
Fehden erneuerte Imperium (Jüngeres Reich) eroberte von den verschiedenen
Brückenköpfen aus ganze Landstriche und siedelte dort großangelegte
Kolonien an. Es wurden verschiedene Vizekönigreiche zur besseren Verwaltung
des riesigen Gebietes errichtet, das zur Blütezeit des Imperiums die
Ausmaße von nahezu zwei Dritteln des heutigen L’Feüd erreichte
(29.500-26.000).
Ihr damals enormes Wissens in der Astrologie, der Architektur und des Militärwesens
sicherte ihnen die unangefochtene Vorherrschaft, die über Jahrtausende
hinweg kein anderes Volk ernsthaft gefährden konnte.
In ihren Kolonien bauten sie weitverzweigte Straßen, Städte und
Tempelbezirke, von denen heute nur noch Ruinenfelder, einzelne Tempel und
Katakomben erhalten sind, in denen sich heute ganz andere Kreaturen eingenistet
haben. Die Straßen der Lemuryer sind in einigen Gegenden des Nordkontinentes
noch heute die einzigen Handelswege und werden von den lokalen Gemeinden
erhalten.
Ihre Dominanz läutete aber auch den allmählichen Untergang ihres
Imperiums ein. Der stete Expansionsdrang verwickelte die Lemuryer in eine
Vielzahl von Kriegen und Konflikten, in denen sie sich immer mehr verzettelten.
Als dann das alte Herrschergeschlecht (Titel: Beherrscher beider Welten.
Gemeint sind Lemuron und die Außenwelt) ausstarb (im Jahr 25.687),
kam es zu Bürgerkriegen zwischen den verschiedenen Vizekönigreichen,
die sich teilweise selbständig machten. Um den inneren Frieden wiederherzustellen,
überzeugte die einflussreiche Priesterschaft die Machthaber davon,
durch einen gewaltigen Feldzug auch die Küsten des Südkontinentes
zu unterwerfen. Inmitten dieser Vorbereitungen brach die Katastrophe herein.
Der letzte Polsprung der Welt führte zu einer Serie von Erdbeben und
Vulkanausbrüchen, die dazu führten, dass Lemuron im Meer versank,
während sich die anderen Kontinente hoben (im Jahr 25.234, zur Zeit,
als das Eis auch den Norden überzog).
Nur wenigen Lemuryern gelang noch die Flucht in die weniger betroffenen
Kolonien, von denen die meisten, wenn sie nicht selbst den Erdbeben und
Flutwellen zum Opfer fielen, von den unterworfenen Völkern überrannt
wurden oder an inneren Konflikten zerbrachen.
Lediglich die Kolonien im heutigen Tunnland („Land zwischen den Bergen“)
bekamen aus Lemuron Verstärkung von sieben kolonialen Großschiffen
mit Flüchtlingen. Im Laufe der Zeit bildete sich aus dieser letzten
lemuryanischen Kolonie die Gemeinschaft der Sieben Städte. Sie sind
auf dem heutigen Orota die letzten Repräsentanten des Lemuryanischen
Imperiums. Drei der Städte liegen am Fluss Ljus, die anderen verteilen
sich vom östlichen Gebirge bis hin zu den Ausläufern der Aska-Berge.
Eine größere Gruppe von Lemuryern brach völlig mit den lemuryschen
Kolonien und verband sich mit widerspenstigen Eingeborenenstämmen zu
der Gemeinschaft der Renegaten, die von allen anderen Lemuryern als Abtrünnige
und Verräter an ihrer Herkunft und Kultur betrachtet werden. Seit dieser
Abspaltung führen die Lemuryer einen Jahrhunderte langen Krieg gegen
die Renegaten, der bis heute andauert. Zwar wurden die Renegaten aus den
Ebenen vertrieben, doch seitdem halten sie den ständigen Kriegszügen
der lemuryschen Legionen stand, die alle zwei Jahre stattfinden.
Die Sieben Gemeinschaften (= Städte) führen jeweils ein Eigenleben,
halten aber untereinander Kontakt.
Obwohl vieles an Wissens ihrer Vorfahren durch die Katastrophe und die Zeit
des Chaos danach verloren ging und zahlreiche Chroniken und Bibliotheken
vernichtet wurden, bewahrten sich die Lemuryer einen wissenschaftlichen
und technischen Vorsprung vor anderen Völkern und betrieben eigene
Forschungsprojekte.
Im Konflikt mit dem noch aus der Zeit der kolonialen Eroberungen herrührenden
Krieg mit Eingeborenenvölkern und den lemuryschen Renegaten in Anarkien
entwickelten sie weiterhin technisches Kriegsgerät, das von Katapulten
und Feuerwerfern mit großen Blasebälgen bis hin zu Flugbooten
reicht.
Aufgrund ihrer technischen Überlegenheit waren die Lemuryer so erfolgreich,
dass die Renegatenstämme, die über mehr mentale Fähigkeiten
verfügen als die Lemuryer, die früher das ganze Tunnland ihr eigen
nannten, sich hinter das Aska-Gebirge nach Anarkien zurückziehen mussten.
Anarkien wurde ihr letztes Rückzugsgebiet, das sie aber gegen alle
Angriffe bisher erfolgreich verteidigen.. Seitdem befindet sich das Hauptkampfgebiet
in den Bergen. Beide Seiten haben mittlerweile kilometerlange Tunnel mit
geheimen Ausgängen hinter den Vorposten des Gegners gegraben.
Die Lemuryer haben sich nahezu vollständig von der Außenwelt
abgeschottet und bis auf einige Legenden und die nicht erklärbare Existenz
von Ruinen und Artefakten ist der Außenwelt von ihrer Anwesenheit
auch so gut wie nichts bekannt. Selbst so mancher Gelehrte der Außenwelt
schüttelt ungläubig den Kopf, wenn Fischer aus Forn oder Pälsort
Gerüchte über Städte hinter den Nebeln der Vraksund-Inseln
und Festungen auf den Bergen an der Klyfta verbreiten.
Denn allgemein wird das Gebiet jenseits der Klyfta als öde und leere
Wildnis betrachtet, in die sich allerhöchstens mal ein Drache aus Odjursland
verirrt. So blieb von den Küstenbewohnern von Lågslätt auch
der Aufbau von lemuryanischen Vorposten auf den der Küste vorgelagerten
Inseln unbemerkt, den die älteste der Sieben Städte, Kronarah,
errichtet hat, die zugleich den südlichen Teil der Klyfta bewacht.
Von diesen Vorposten aus beobachten die Lemuryer von Kronarah die Schifffahrtsrouten
des nordwestlichen Meeres und bauen Kriegsgerät, das eigentlich der
herrschenden Priesterschaft aller Städte gezeigt werden müsste.
Aufgrund ihrer alten Hochkultur haben die letzten Lemuryer an dem Gesellschaftsaufbau
ihrer Vorfahren nur wenig geändert. Auffällig ist, dass sie seit
ihrer Flucht die Aufteilung in sieben Gemeinschaften beibehalten haben,
die weitgehend autark voneinander sind, aber dennoch Handel miteinander
betreiben.
Jede dieser Gemeinschaften besteht aus dem zentralen Stadtkreis (Zentrum)
und mehreren Land- und Küstenbezirken, die jeweils einem A`Orthes unterstehen,
der mit einem Landvogt vergleichbar ist. Das alte Imperium hingegen war
in der Regel zentralistisch organisiert.
Der Staat wird von der Priesterschaft beherrscht, denn seit der Großen
Bestrafung sind die Lemuryer der festen Überzeugung, dass der Untergang
ihres Großreiches auf den Zorn ihrer fünf Hauptgötter zurückzuführen
sei, den diese auf die hochmütigen Weltherrschaftspläne der alten
Lemuryer gehabt hätten.
Die gesamte Staatsbürokratie gehört dem hierarchisch gegliederten
Geistorden der jeweiligen Stadt an, die 24 mentale Ebenen aufweisen. Nur
innerhalb der Priesterschaft werden die ihnen natürlich gegebenen mentalen
Kräfte gezielt trainiert und weiterentwickelt, so dass man auf jeder
Ebene über größere Fähigkeiten verfügt. Desgleichen
wird das Wissen über die Außenwelt erst ab der 18. Ebene in Stufen
gelehrt.
Entsprechend ihrer bisherigen Geschichte spielt das Militär in den
lemuryschen Staaten eine große Rolle, dominiert aber nicht wie zu
Zeiten der Kolonialkriege (Ausnahme: Kronarah).
Aus Furcht, die Götter könnten wieder Zorn über den Hochmut
der Lemuryer empfinden, kontrolliert die Priesterschaft das Armeewesen.
Die andauernde Auseinandersetzung mit den Renegaten hat den Militärs
die Kontrolle das Monopol über das Ask`deryll-Metall verschafft, dessen
Eigenschaften (leichtes Gewicht und Elastizität bei gleichzeitiger
Härte) allein die Entwicklung der Flugboote ermöglicht.
Die Familien sind clanmäßig strukturiert, wobei der Älteste
als „pater familias“ und Oberhaupt mit unumschränkter Macht
über Wohl und Wehe eines jeden Familienmitglieds verfügen kann.
Das Schulwesen ist weitentwickelt und der Besuch von hohen Schulen vom Geldbeutel
der Familie abhängig. Untereinander verständigen sich die Lemuryer
telepathisch. Da diese Form der Verständigung räumlich beschränkt
ist, wird weiterhin das alte Schriftsystem benutzt, in denen auch die „Chroniken
Lemuryas“, die Annalen verfasst sind, die am weitesten in die Vergangenheit
des Nordkontinentes zurückreichen.
Die Lebensgemeinschaften (Partnerwahl durch das Familienoberhaupt) gelten
gemeinhin als unauflöslich und jeder Lemuryer, der die Gemeinschaft
ohne triftigen Grund verlässt, gilt als Verbannter auf Lebenszeit.
Ansonsten betreiben die Bürger dieser Kultur alle Berufe, die auch
in anderen Kulturen üblich sind. Allerdings wird ein besonderes Gewicht
auf die technischen Bereiche gelegt.
So verfügt jede Lemuryersiedlung über fließendes Wasser
und kann die nächtliche Straßenbeleuchtung mit Seealgenextrakt
als vorbildlich bezeichnet werden. Viele Lemuryer in den Städten arbeiten
in Manufakturen, welche die rasche Herstellung von Waren ermöglichen.
Insgesamt leben die Lemuryer auf einem hohen Lebensstandard, entbehren aber
vielen individuellen Freiheiten.
Die durch sie selbst verursachten Umweltbelastungen verstärken die
Tendenz der geringen Nachkommenschaft der Lemuryer noch.
Bei den Lemuryern überwiegt der Stolz auf die eigene Zivilisation
und die leichte Geringschätzung anderer Kulturen. Sie zeichnen sich
durch eine ruhige Art aus, die jedoch zugleich eine Neugier auf das noch
Neue und Unerforschte impliziert, für das sie auch Risiken einzugehen
bereit sind. Sie haben gelernt, ihre Gefühle vor anderen zu verbergen
und tun sich oft schwer damit, die Emotionen von anderen Rassen nachzuvollziehen.
Den steten Expansionsdrang der Vergangenheit konnte der Mehrheit der Lemuryer
abgewöhnt werden, ist aber unterschwellig weiterhin latent vorhanden.
Wehe, wenn er geweckt wird...