
Die Rasse der Worfinianer lässt sich am besten mit dem Begriff „Tiermenschen“
beschreiben. So haben die Worfinianer keine einheitliche Gestalt, sondern
nur einen gemeinsamen Körperbau. Dieser ist vollkommen menschlich.
Die einzelnen Worfinianer unterscheiden sich untereinander dadurch, dass
sie den Kopf eines Tieres besitzen. Dabei sind fast alle auf Orota vorkommende
Tierarten zu finden, bevorzugt jedoch leicht zu fangende Tierarten und bei
diesen in der Regel Säugetiere.
Die Sinneswahrnehmungen der Worfinianer entsprechen in etwa denen des Tieres,
dessen Kopf sie auf den Schultern tragen. Ansonsten sind ihre sonstigen
Fähigkeiten ähnlich wie die eines Menschen, was Kraft und Gewandtheit
angeht. In der Regel sind die Worfinianer etwas einfältig und weniger
clever als Menschen, auch haben die meisten von ihnen panische Angst vor
Feuer und Magie.
Worfinianer haben die Fähigkeit, mit den Tieren zu kommunizieren, die
zu der Gruppe gehören, deren Kopf sie tragen.
Ebenfalls können die meisten von ihnen mit anderen Rassen kommunizieren.
Ausgenommen sind solche Worfinianer, deren tierischer Anteil von Natur aus
stumm ist.
Worfinianer werden nicht ganz so alt wie Menschen, ihr tierischer Anteil verhindert dieses meist. Wird das Tier ebenso alt oder gar älter als ein normaler Mensch, so erhöht sich bei dieser Konstellation ebenfalls das Höchstalter des Worfinianers.
Die Worfinianer entstanden durch die Experimente des Schwarzmagiers Worfin,
der diese auf der Insel Channu betrieb. Diese liegt zwischen L’Feüd
und Khamsati.
Ziel von Worfin war es, eine Armee von Tiermenschen zu erschaffen und sich
mit ihrer Hilfe zum Herrscher von Nordkhamsati, danach von L’Feüd
und schließlich von ganz Orota zu machen.
Er schaffte es, Tier und Mensch zu verschmelzen und hoffte, diese mit Hilfe
seiner Magie beherrschen zu können, da er davon ausging, dass diese
große Angst vor der Magie hätten. In der Tat konnten sich die
meisten Tiermenschen nicht den Befehlen Worfins entziehen. Unter den Tiermenschen
gab es jedoch eine Kreuzung aus einem Stier und einem Mann. Dieses Wesen
wurde von Worfin mit einem Zauber belegt, der dafür sorgen sollte,
dass alle Wesen, die den Minotauren sehen, in panische Furcht ausbrechen
sollten. Der Zauber wirkte ganz vorzüglich, jedoch nicht nur auf gegnerische
Wesen, sondern vor allem auf die anderen Tiermenschen, die von Worfin geschaffen
worden waren. Da Worfin alle Worfinianer in ein großes, von der Außenwelt
durch unzählige Zauber abgeschlossenes Tal gesperrt hatte und sie dort
auf engem Raum zusammenleben mussten, kam es durch die Anwesenheit des Minotauren
zu entsetzlichen Selbstmorden unter den Tiermenschen. Einige wenige jedoch
gewöhnten sich an die böse Magie und verloren die Furcht vor Burreon,
dem Minotauren. Burreon selbst war Kapitän eines Piratenschiffs gewesen,
bevor er von Worfin gefangengenommen worden war. Daher war er ein erfahrener
Anführer. Durch den Furchtzauber hatte Worfin gehofft, dass er diese
Fähigkeit niemals ausspielen könnte, doch er hatte sich ziemlich
verrechnet. Diejenigen Worfinianer, die nicht vor Furcht erstarrt waren
oder panisch flüchteten, begannen, mit Burreon zu reden. Als dieser
merkte, dass nicht alle ihn fürchteten, beschloss er, sich bei seinem
Peiniger zu rächen und ihnen alle ihre Freiheit zurückzugeben.
Als Worfin sein Heer zur Schlacht gegen die Einwohner von Hat-Bagar sammelte,
um die gesamte Insel Channu in seinen Besitz zu bringen, wurden fast alle
Einwohner dieser friedlichen Handelsstadt hingemetzelt. Dieses war bis dahin
der größte Triumph für Worfin und er dachte, nichts und
niemand könne ihn nun mehr stoppen.
Als er sich mit einigen der überlebenden Frauen nach der Schlacht „vergnügte“
und sein Tiermenschenheer Hat-Bagar verwüstete, sammelte Burreon die
tapfersten seiner Gefährten um sich, um Worfin zur Hölle zu schicken.
Burreon und seine Leute überwanden die meisten Schutzzauber rund um
das Zelt Worfins, wobei fast alle Kämpen Burreons einen grausamen Tod
starben. Burreon selbst, der männliche Waschbärmensch Wurk und
der weibliche Schlangenmensch Soralia erreichten am frühen Morgengrauen
das Zelt Worfins, der zu sehr abgelenkt war, um die erlöschenden Zauber
rund um sein Zelt zu bemerken. Soralia drang lautlos von hinten in das Zelt
ein. Es war ein grauenhafter Anblick, der sie erwartete. Worfin hockte wie
eine fette, bleiche Qualle über einer der Überlebenden und folterte
sie durch böseste Magie. Fast hätte Soralia ihren Auftrag nicht
ausführen können, nur mit größter Mühe konnte
sie ein entsetztes Stöhnen unterdrücken. Rund um Worfin lagen
geschändete Frauen, denen teilweise Körperteile fehlten und die
trotzdem lebten. Unzählige gebrochene Augen starrten sie an und diejenigen,
die noch lebten, baten darum, erlöst zu werden. Hinter Worfin standen
zwei Wachen mit ausdruckslosen Gesichtern, die Soralias Eindringen noch
nicht bemerkt hatten. Als von vor dem Zelt Kampfgeräusche erklangen,
tötete sie die beiden Wachen auf die ihr eigene einzigartige lautlose
Weise. Worfin bemerkte dieses und mit einem Wink der rechten Hand tötete
er sie.
Vor dem Zelt hatte in der Zwischenzeit Wurk die Wachen erreicht, die vor
dem Zelt postiert worden waren. Wie ein gestreifter Blitz drang er zwischen
die Wachen und bescherte ihrem Dasein ein blutiges Ende. Nach diesem Überraschungsangriff
betrat er das Zelt und sah, wie Soralia durch den Zauberer Worfin gerade
getötet wurde. Rasend vor Wut stürzte er sich auf den Magier,
doch dieser war einen Tick schneller und wirkte erneut tödliche Magie.
Mit einem Wink der linken Hand wurde Wurk in tausend Stücke zerrissen.
Burreon, der seitlich in das Zelt mit seinen gewaltigen Hörnern einen
Schlitz geschnitten hatte und dabei von einem Schutzzauber beinahe getötet
worden wäre, konnte gerade noch erkennen, wie seine Freunde Soralia
und Wurk durch die Hände Worfins starben. Außer sich vor Wut
stürmte er mit gesenktem Haupt auf Worfin los, schaffte es, nicht über
die verstreuten Frauenkörper zu stolpern und erreichte den Magier,
als dieser beide Hände hob, um ihn mit einem gewaltigen Zauber zu töten.
Zwei Meter, bevor Burreon Worfin erreichte, zerriss dieser das Herz des
Minotauren. Doch Burreons Hass und grenzenlose Wut trieben ihn weiter, obwohl
seine Beine zu versagen drohten, bewegte er sich weiter und mit allerletzter
Kraft erreichte er den höllischen Magier und rammte ihm seine Hörner
tief ein seinen Leib. Mit seinem Pranken traf er in einem letzten Aufbäumen
den Schädel des Magiers und zermatschte ihn wie eine reife Melone.
Mit einem Schlag wurde die gesamte schwarze Magie frei, die der Zauberer
in seinem Leben angesammelt hatte und in einer gewaltigen schwarzen Feuersäule
verging das gesamte Lager des Magiers, das auf einem Feld vor den Toren
Hat-Bagars errichtet worden war. Die Schreckensherrschaft Worfins war gebrochen.
Noch heute kündet ein tiefer Krater von dem vergangenen Kampf zwischen
Worfin und Burreon. Heute hat er sich zur Hälfte mit schwarzem Wasser
gefüllt, das bei Berührung tödlich ist und alles zerfrisst,
das in Berührung damit kommt.
Als die übrigen Tiermenschen sahen, dass das Lager ihres Peinigers
zerstört worden war, wussten sie, dass Burreon gewonnen haben musste.
Sie beendeten das Abschlachten der Einwohner Hat-Bagars, löschten die
Feuer und halfen allen Verwundeten, die sie finden konnten. Als die Sonne
aufging, wurde das Ausmaß der Verwüstung erst richtig deutlich.
Von den 15.000 Einwohnern Hat-Bagars lebten noch etwa 200, von den ursprünglich
9.000 Tiermenschen hatten etwa 2.000 überlebt. Gemeinsam machte man
sich an die Arbeit, Hat-Bagar wieder aufzubauen, trotz der verständlichen
Furcht der Menschen vor den Tiermenschen. Als diese jedoch bemerkten, dass
die Worfinianer keine tumben Tiere sind, sprechen können, Gefühle
haben und diese ihnen ihre Geschichte erzählt hatten, beschloss man,
in Hat-Bagar als gemischte Gesellschaft zu leben. Bis heute hat sich an
diesem Zustand nichts geändert. Hat-Bagar dient all denen als Zufluchtsort,
die verfolgt werden, anders sind oder einfach aussteigen wollen.
Die Worfinianer leben auf ganz Channu verstreut in Dörfern oder in
ihrer Hauptstadt Hat-Bagar. Einige von ihnen ziehen jedoch die Einsamkeit
der Natur vor, wenn ihr tierischer Anteil in ihnen zu stark danach drängt.
Da die Worfinianer die Natur sehr schützen, gibt es auf Channu noch
weite Wälder, die teilweise gänzlich unberührt sind.
Die 2.000 Worfinianer, die die Schlacht von Hat-Bagar überlebt hatten,
gehörten etwa 100 verschiedenen Spezies an. Da sich herausstellte,
dass nur gleichartige Worfinianer fruchtbar sind, bildeten sich in den Dörfern
und in Hat-Bagar Ortsteile heraus, in denen die einzelnen Spezies mehr oder
weniger getrennt voneinander leben. Jeder dieser Ortsteile hat einen Sprecher,
die bei wichtigen Fragen zusammenkommen und Probleme regeln. Ebenso gibt
es unter den reinrassigen Mitbewohnern Sprecher, die selbstverständlich
ebenfalls eine Stimme haben.
Unter den Worfinianern hat sich im Laufe der Zeit eine mächtige religiöse
Strömung gebildet, die ihren Befreier Burreon und seine Mitkämpfer
anbeten (Burreon ist inzwischen ein Gott der fünften hellen Sphäre,
Wurk und Soralia sind Götter der dritten hellen Sphäre, Satan
Worfin ist ein Verderber der sechsten dunklen Sphäre). Dabei wird Burreon
als Beschützer vor dem absolut Bösen, Worfin, verehrt. Wurk und
Soralia werden vor allem von den Mitgliedern ihrer Spezies (Waschbär
und Schlange) angebetet.
Worfinianer leben in den unterschiedlichsten Gemeinschaften zusammen, ihr
tierischer Anteil bestimmt, ob sie sich in Paaren, Rudeln oder Herden wohl
fühlen. Die Kinder werden ebenfalls in diesen Gemeinschaften aufgezogen
und unterrichtet. Alle Kinder werden ab ihrem 7. Lebensjahr im Hause Burreons
unterrichtet, um dort die Sprache der Menschen, Khamsatisch, zu erlernen
sowie Grundlagen in Rechnen, Sozialkunde und Geschichte.
Aufgrund ihrer entsetzlichen Geschichte lehnen es die Worfinianer ab, gegen
andere Rassen oder sogar untereinander Krieg zu führen. Sie lassen
sich auch nicht durch Geld oder gute Worte als Söldner kaufen.
Vor Magie haben die meisten Tiermenschen auch heute noch Angst, Magier werden
auf Channu nicht geduldet.
Im Einklang mit ihrer tierischen Natur zu leben ist für die Worfinianer
sehr wichtig. Daher kommt es immer wieder vor, dass ein Worfinianer der
Enge des Dorfes oder der Stadt entflieht und in die Wildnis geht. Dort lebt
er von dem, was sie ihm bietet.
Worfinianer legen sehr viel Wert auf Ehre und Ehrlichkeit. Lügen sind
ihnen verhasst und unfaire Behandlungen führen dazu, dass sie mit aller
Härte gegen den Gegner vorgehen.